Jane Yolen, Heidi E. Y. Stemple & Helen Cann:
Walzer, Polka und Flamenco

Die schönsten Märchen vom Tanzen


Aus dem Englischen von Michael Stehle

Stuttgart: Urachhaus 2010

www.urachhaus.com

ISBN 978-3-8251-7690-7
96 Seiten * 19,90 € * ab 04 Jahre

 

 

 

 

Zwischen Bilderbuch und Märchen bewegt sich das Buch. Die Geschichten wandern kreuz und quer durch die Welt und sie tanzen: in Ägypten, Japan, Deutschland, Schottland, der Karibik. Alle Märchen werden angekündigt und zum Schluss noch einmal kommentiert, mit Bemerkungen zum Tanz, zur Kleidung, zu den Grundschritten. Fehlt nur die Musik.

Tanze

Es fehlt die Musik. Wenn man über das Tanzen spricht, den Tanz auf den Bildern einfriert, dann fehlen einfach die Töne, der Rhythmus, das Gefühl, das in die Beine geht. Mehr ist zu diesem wunderschönen Buch an Kritik nicht anzumerken.
Die Auswahl berücksichtigt die Kontinente (Australien fehlt und – verständlich – die Antarktis) und hat ihren Schwerpunkt in Europa. Acht Märchen (nach-) erzählen die beiden englischsprachigen Autorinnen, und Helen Cann zeichnet, illustriert, ergänzt und liefert Nebenschauplätze. Ihre Bilder zeigen oft Traumwelten, überlagern sich und schaffen sich Raum – wie im japanischen Märchen von der Unsterblichen, die dem Fischer den Tanz zeigen muss, «durch den sich der Palast des Mondes im Kreis dreht», damit sie ihr Federkleid zurück erhält. An anderer Stelle friert sie die Bewegung der Tiere ein, die tanzen müssen, weil Pablo auf seiner silbernen Flöte spielt.

Cann setzt Figuren ohne Hintergrund auf weißes Papier, zaubert aber auch Feen in einen Birkenwald, dessen Laub eher an Tapetenmuster erinnert. Sie fokussiert auf Einzelheiten (sehr schön sind die Füße von ihm und gegenüber von ihr, wobei sie auf den Zehenspitzen steht – da braucht man in der Tat nicht mehr, um sich vorzustellen, wie es oberhalb ausschaut) oder verbindet fünf Ägypterinnen durch einen roten Teppich zu ihren Füßen, wobei der Fesselschmuck der einen mit dem Rand des Teppichs harmoniert.

Viele Feinheiten also in vielen Bildern, die das Märchen- auch zu einem Bilderbuch machen, zu einem geschmacksbildenden zumal, denn die Illustratorin schafft sich neben der Aufnahme des jeweils exotischen Ortes einen wiedererkennbaren Stil.

Ein sehr schönes Märchenbuch unter einem schönen Motto.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en