Kristien Aertssen:
Als Oma ein Vogel wurde

Aus dem Französischen von Rosemarie Griebel-Kruip

Hildesheim: Gerstenberg 2010

www.gerstenberg-verlag.de

ISBN 978-3-8369-5349-8
32 S * 12,95 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Nachdem seine Frau starb, hat ihr Mann keine Freude mehr am Leben und nicht mehr an den Vögeln, die er früher beobachtete und mit seiner Frau zusammen mit Brotkrümeln fütterte. Als jedoch der Frühling da ist, erinnert er sich, dass ihre letzten Wort waren, sie käme mit den Vögeln wieder. Welcher mag sie sein?

Nach dem Tod

Das Ehepaar trägt den passenden Nachnamen «Feder». Er war Professor und untersucht nach wie vor die Vögel, sie füttert sie und kann ihre Stimmen nachflöten. So vergeht der Tag am Fenster, unter im Kirschbaum. Dazwischen kommt die Enkelin Merle und die Nachbarn. Alle bringen trockenes Brot, das dann am Küchentisch zerbröselt und anschließend an die Vögel verfüttert wird.

Dazwischen lehrt der Großvater seine Enkelin die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Tiere, während die Großmutter ihr das Pfeifen in Vogelsprache beibringt. Eine heile Idylle also, bis Oma krank wird, zunächst ihren Lieblingssessel nicht mehr verlässt, dann nicht mehr das Bett. Das beste Lieblingsessen rührt sie nicht an, sie pfeift nicht mehr, beachtet die Blumen in den Vasen nicht.

Kein Wunder, dass auch der Großvater schwermütig wird, nachdem seine Frau starb. Es wird ruhig und still in seinem Haus, die besuchende Enkeltochter kaum wahrgenommen. Gut, dass das Buch noch eine Wendung hat.

 

Im Mittelpunkt steht der Kirschbaum mit den dicken Ästen und der großen grünen Krone, in der sich hunderte von roten und gelben und rotgelben Vögeln tummeln. Großmutter ist an dem weiß getupften roten Kleid zu erkennen, vor der eine blütenweiße Schürze es vor roten Kirschflecken schützt. Professor beobachtet aus dem Fenster, Oma lehnt sich darunter zur Fütterung weit hinaus

Die Bilder bemühen sich nicht um realistische Darstellung, sie schaffen Typen: Oma mit den Locken, Merle sehr ähnlich – wenn auch deutlich jünger – mit drei weit abstehenden ungeflochtenen Zöpfen, Oma mal mit einer roten Blume im dunklen Haar, die Lesebrille tief auf der Nase zeigt, dass sie schon älter ist.

Opa trägt eine ähnlich tiefsitzende Brille, seine gekräuselten Haare sind von einer Baskenmütze bedeckt (Professor!). Die Vögel haben keine Scheu, sie sitzen auf den Händen, auf dem Kopf, den Armen, flattern herbei.

 

Eine Geschichte, die zeigt, dass es auch nach dem Tod weitergeht, irgendwie, anders, neu und doch vertraut. Das ist sehr tröstlich.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en