Pablo Neruda & Elena Odriozola:
Ode an einen Stern

Aus dem Spanischen von Fritz Rudolf Fries

Zürich: Bajazzo 2010

www.bajazzuoverlag.ch

ISBN 978-3-905871-21-0
24 S * 14,90 € * ab 03 J

 

 

 

 

Hier leben wir das tägliche vor uns hin, dort träumen sich die Dichter in den Himmel, in die ferne Welt der Sterne, pflücken sogar einen vom Himmel. Sehr poetisch wird von Pablo Neruda eine Verbindung geschaffen vom Himmel zum Wasser, das ewig fließt wie der Himmel unendlich groß ist.

Sterne pflücken

Ein Wolkenkratzer ragt in den Himmel, wie es der Turm zu Babel machen sollte. Wenn man sich dort aus dem Fenster beugt, kann es – wenn alles günstig steht – passieren, dass man einen Stern erreichen und vom Himmel entfernen kann.
Pablo Neruda spricht von sich und davon, dass ihn «hemmungslose Liebe» überkam, sodass er nach dem Stern griff. Im Bild sieht man ihn weit hinausgelehnt, umgeben von Helligkeit, von einem gleißenden Weiß, das eine noch unfertige Sonnenkugel anzeigt. Die Fenster der Umgebung sind dunkel, bis auf das eine. Dort lehnt sich eine Frau ebenso weit hinaus wie der Erzähler, um den Fang zu beobachten. Vielleicht ist es die gleiche Person (auch wenn sie einen andersfarbigen Pullover trägt), die auf der nächsten Seite in einem Nebenbild hinter der leicht geöffneten Gardine steht und ihre Augen mit einer dunklen Brille schützt, während des gestohlene Stern ich in einer Hosentasche versteckt und flüchtige Bildspuren hinterlässt von floralen Mustern. Mehrere senkrechte Streifen, der Sternendieb, die Beobachterin und ein Hund, vielleicht auch ein Fuchs, der aus einem anderen Fenster beide beobachtet, vielleicht ein kleiner Hinweis auf Saint-Exuperys «Kleiner Prinz».

 

Eine poetisch-rätselhafte Geschichte wird genauso in den Illustrationen begleitet. Mehrfach gibt es kleine Zitate auf berühmte Bilder der Kunstgeschichte, im Ganzen aber bleiben sie – wie der Text – unbestimmt, merkwürdig, geheimnisvoll – und sie spielen mit dem Text. Während dieser erzählt (Ich «wurde nicht erkannt»), sehen wir den Sternendieb, der von hinten innig von einer Frau umarmt wird (eben die, die ihn vom Fenster aus beobachtete).

 

Sehr schön mehrschichtig aufgebaut, etwas für staunende Kinder wie für Erwachsene mit offenen Augen und mit geöffnetem Herzen und wenig für Menschen, die stattdessen ihre Augen so öffnen wie ihre Münder.

 

Sowohl der Text wie auch die Bilder sind sicher nicht für «jedermann», für die anderen aber umso mehr geeignet.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en