Julia Friese & Christian Duda:
Schnipselgestrüpp

Zürich: Bajazzo 2010

www.bajazzoverlag.ch

ISBN 978-3-905871-16-6
40 Seiten * 14,90 € * ab 05 Jahre

 

 

 

 

Die Eltern haben aufgegeben. Wenn sie nicht fernsehen, dann schweigen sie. Ihren Sohn vernachlässigen sie. Das alles klingt sehr depressiv, und doch ist dies ein sehr optimistisches Buch. Es ist der Junge, der den Strohhalm findet, und seine Fantasie.

Eine Welt aus Nachrichten

Die Eltern werden vorgestellt, beide sprachlos mit verkniffenem Mund, die Mutter füllig, der Vater unrasiert, ungekämmt, mit Augenrändern. Der weite Ausschnitt des braunroten T-shirts ist schmutzig. Die Wohnung ist in Grün gehalten. Die Doppelseite des Querformats lässt dem Raum der Eltern drei Viertel. Mutter sitzt auf einem Stuhl, ihre zu kurzen Beine hängen in der Luft. Papa auf dem mehrsitzigen Sofa hat die Fernbedienung in der Hand. Beide starren teilnahmslos auf den nicht sichtbaren Fernseher. Es gibt keinen Tisch, der Teller mit dem Besteck und das Glas stehen vor den beiden auf dem Fußboden.

Der Raum des Jungen ist ganz kahl. Er hockt auf dem Fußboden, auf dem Zeitungen den Teppich ersetzen. Im Lauf der Geschichte verlagert sich das Augenmerk auf das Jungenzimmer, denn dort findet das Leben statt. Es ist zwar aus „zweiter Hand“, nämlich aus den Nachrichten und Bildern der Zeitungen, aber der Junge erweckt alle zu einem Leben in neuer Konstellation. Er schneidet und klebt an die Wand, die gänzlich die Doppelseite des Buches erobert – bis Mutter und ihre Welt rechts wieder eintreten und kurzen Prozess mit der Fantasiewelt macht: blaue Mülltüte.

Doch der Junge lässt sich nicht unterkriegen. Er schafft sich sofort eine neue Welt. Und diesmal lässt er sie sich nicht kaputt machen, er zieht die andere mit hinein.

 

Es ist eine schöne Botschaft, die die zur Geschichte sehr passenden Bilder erzählen, und die Mut machen, auch Mut, einmal die ganzen Spielzeuge wegzuräumen und „selbst zu spielen“.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en