Brigitte Weninger & Anna Anastasova:
Lauf, kleiner Spatz

Zürich: Atlantis bei Orell Füssli 2010

www.atlantis-verlag.ch

ISBN 978-3-7152-0610-3
28 Seiten * 14,90 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

 

Was machen, wenn die Flügel gebrochen und nie wieder zu gebrauchen sind? Was, fragt sich der kleine Spatz, macht einen Vogel zu einem Vogel? Nie wieder fliegen – heißt das nicht, allen Sinn des Lebens verloren zu haben? Was nützt es also, dass der Rabe und die Maus ihn „gesund“ pflegten? Doch sowohl der Spatz als auch wir erfahren, dass es hinter einem Leben auch ein anderes gibt, das lebenswert ist.

leben

Spatz und Maus sind zwar ungleich, aber dennoch Freunde. Beide grau, beide eher „gewöhnlich“, nichts Besonderes also, graue Mäuse. Wen kümmert es also, wenn einem dieser Grauen, Unbedeutenden ein Unglück passiert? Ein Gewittersturm ist es, der dem Spatzen die Flügel bricht, und obwohl der Rabe ihn rettet, mit ihm auf dem Rücken zu einem sicheren Ort fliegt, ihn mithilfe von kleinen Stöcken und der Unterstützung durch die Maus schient und pflegt.
Welche Enttäuschung, als nach der Abnahme der Schienen die Knochen zwar verheilten, aber die Flügel nicht mehr zum Fliegen taugen! Mit einem Schlag bricht die Lebensbrücke vor dem geistigen Auge des Vogels zusammen. Es gibt, glaubt er, keine Zukunft mehr für ihn. Doch seine Freunde lassen ihn nicht allein, und auch wenn er zuvor nicht zur Gruppe der Laufvögel zählte – was noch nicht ist, kann aber mit eisernem Willen werden.

 Die Geschichte von Brigitte Weninger ist schon älter, erschien sogar 2001 bereits als Buch, damals aber von Julia Ginsbach illustriert. Nun hat sich Anna Anastasova der Geschichte angenommen. Sie lässt den Spatz im lichten Birkenwald die Maus besuchen, Schneeglöckchen sind der einzige Schmuck. Sie fokussiert entweder, indem sie ganz nah ran geht an das Geschehen, oder ein ansonsten recht „leeres“ Bild mit einer Aktion füttert, sodass unser Auge sofort dorthin wandert. Ein wunderbares Gefühl, wenn wir den Spatz auf dem Rücken des fliegenden Rabens entdecken, der sich dem starken Regen nach oben entgegen fliegt, unerschütterlich seine Aufgabe im Sinn hat: Der kleine Spatz muss gerettet werden.

 Die Botschaft ist plakativ, aber dennoch nicht unwichtig. Sie gilt sogar nicht nur für Kinder, sondern auch (und besonders) für Erwachsene. Unfälle können immer und überall geschehen, auch solche, die das künftige Leben zunächst in sehr dunklen Farben schildert.
Wenn wir aber dorthinein schlittern, werden wir feststellen, dass auch dort das Leben lebenswert bleibt. Umso schöner, wenn man Freunde hat, die einen nicht allein lassen.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en