Lorenz Pauli & Kathrin Schärer:
Oma-Emma-Mama

Zürich: Atlantis bei Orel Füssli 2010

www.atlantis-verlag.ch

ISBN 978-3-7152-0607-3
28 Seiten * 14,90 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

„1-2-3-4-Eckstein, alles muss versteckt sein!“ rufen die Kinder, wenn sie abgezählt haben. Aber niemand mag mit Emma spielen. Da muss halt Oma herhalten. Sie muss bis 40 zählen. Sehr schön, dass Oma Emma nachher findet und beide feststellen, dass sie in ähnlicher Situation sind. Mama muss gleich beide suchen. Ganz viele Ms sind im schönen Spiel.

M MM MMM

Kathrin Schärer nimmt diesmal Wasserfarben für den Hinter- und Nebengrund und kennzeichnet die Tiere durch besonders große und individualisierte Augen. Emma ist genauso Chamäleon wie Oma und wie Mama. Oma erkennt man an ihrer roten Brille, die zwar einen Nasenbügel zeigt, der aber nutzlos ist. Ein Chamäleon hat keine Nase.

Oma soll bis 40 zählen, bevor sie suchen kommt. Das gibt dem Autor und der Illustratorin Zeit, Emma an verschiedene Orte zu bringen, von denen sie jedes Mal befürchtet, dass sie bestimmt schnell von Oma gefunden werden: im Stinkblütenstrauch, in Omas Schatten, bei den Fledermäusen oder den Igelmäusen, den Lemuren, am Baumstamm bzw. Alligatoren.

Sinn der Geschichte ist allerdings weniger die Versteckgeschichte, als vielmehr die Erkenntnis, dass Oma viel dichter dran ist am Kind als Mama, die sich verantwortlich fühlt für beide. So tauschen sich auch Kind und Großmutter aus, geben Brille und Puppe je der anderen und dann alle beide beides der Mama.

Wenn es doch so schön und einfach wäre.

 

Der Textort wechselt, ist mal innerhalb der Bilder, fordert mal einen eigenen Bereich. Die Bilder spielen mit der Schnecke, deren Hausbögen sich sowohl in Baumenden wiederfinden lassen als auch in der langen Zunge des Chamäleons oder dem langen gerollten Schwanz. Prägend sind vor allem die vulkanmäßig geformten Augen, die sich unabhängig voneinander in verschiedene Richtung drehen können, was zu ganz eigenartigen Gesichtsausdrücken von Emma und Oma und Mama führt. Freundlich sind aber alle, denn der schmale Mund endet in leicht nach oben gezogener Linie. Bei allen dreien, auf (fast) allen Bildern.

Eine schöne kleine Geschichte von Geborgenheit und Liebe und dem ewigen Kreislauf von Kind- und Altsein.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en