Arnica Esterl & Germano Ovani:
Die schönsten Märchen aus aller Welt

Esslingen: Esslinger 2010
www.esslinger-verlag.de 

ISBN 978-3-480-22542-2
151 S * geb * 19,90 € * ab 3 J

 

 

 

 

Mehr ein Bilder- als ein Märchenbuch, so sehr im Vordergrund sind die meist großflächigen Bilder, die zumeist auch noch den Text der Märchen „aus aller Welt“ aufnehmen: Orient, Russland, England, Dänemark, Frankreich, China und Italien. - Sehr schön anzuschauen, während man dem Vorleser zuhört. Aber auch die Erwachsenen werden nicht enttäuscht.

Märchenhafte Bilder

Germano Ovani zeichnet realistisch und bleibt dennoch dem Traum verbunden. Die Figuren schweben oft, die Augen sind geschlossen oder die Lider wenigstens gesenkt. Mehrfach ragt ein Kopf aus dem rechteckigen Bild heraus, verschwindet ein Fuchs, der die Zeit negiert, denn sein Hinterteil ragt noch heraus, während sein Kopf schon wieder heraustritt hinter dem Bild (wie es auch die Gans macht und die Schlange ebenfalls). Die Märchen sprengen den Rahmen, die Geschöpfe lassen sich nicht einfangen – so wie es Träume ebenfalls nicht zulassen.
Es gibt keine Seiten ohne Farben, nur ganz wenige ohne Bild. Die Hintergründe sind pastellfarben und transportieren damit auch Stimmungen, vermeiden Grausamkeiten, die in den Texten durchaus vorkommen. Da gibt es in Andersens „Die wilden Schwäne“ die Lamien, die „mit ihren mageren Fingern frische Gräber aufgruben, die Leichen herausnahmen und ihr Fleisch verzehrten“. In „Wassilissa, die Wunderschöne“, dem Märchen aus Russland, dagegen ist die Umgebung der Baba Jaga, die auf einem Mörser reitet, den sie mit dem Stösel antreibt (eine sexuelle Anspielung?), voll von Totenköpfen in den Bildern. Die Hexe droht in der Geschichte mehr als einmal mit dem Tod für das wunderschöne Mädchen, falls dieses nicht genau das tut, was sie ihr aufträgt („… sonst fresse ich dich!“). Dass Wassilissa die Aufgaben nur erledigt, weil Zauberkraft im Spiel war, wissen wir, aber nicht die Hexe.

Nicht, dass diese beiden Beispiele zu verallgemeinern wären: Die meisten Märchen benutzen die typischen Merkmale, sind lehrreich oder einfach nur schön. Das Gute siegt, und Häuser, die wie ein Kopf aussehen und sogar auf Hühnerbeinen gehen, sind in der Minderheit. Traurige und – noch – traurige Prinzessin, unschuldige Stille vor verliebtem „Biest“, geheimnisvolle Drachentochter, die ins Herz der beiden Brüder schaut und nicht auf die Hand, die vielleicht den Schatz mitbringt.

 

Das Buch ist sehr aufwendig hergestellt, hat in Anlehnung an die „Hausbücher“ einen Leinenrücken, besitzt ein Lesebändchen und – nicht ganz unwichtig – fühlt sich in der Hand sehr angenehm an. Der an normalen Bilderbüchern gemessene etwas erhöhte Preis ist mindestens gerechtfertigt.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en