Eva Muggenthaler:
Als die Fische spazieren gingen …

Erzählbilder mit einem Nachwort von Dr. Kristina Calvert

München: Mixtvision 2010

www.mixtvision-verlag.de 

ISBN 978-3-939435-24-2
32 Seiten * 14,90 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Anders als in Wimmelbildern schafft Eva Muggenthaler 12 merkwürdige Situationen, die vor Sprechanlässen nur so trotzen: Gemüse auf den Theatersitzen, Hase versteckt sich mit seinem Bogen hinter dem großen Kontrabass, während Frosch auf dem Korpus sitzt und singend sich mit der Gitarre begleitet. Wenn man nicht darüber sprechen muss, dann vielleicht über den Käfer hinter dem Vorhang vor der heißen Tasse Kaffee.

Sprechen

12 aberwitzige Situationen ohne Worte, aber mit Untertitel: Angst haben, allein sein, den Tag verschlafen, sich geborgen fühlen, flunkern. Als wiederkehrendes Objekt spielt eine Brille mit, denn der Aufforderung des (genauen) Schauens muss man schon nachkommen, Sprechen wollen inbegriffen. Da versammeln sich ganz viele (kleine) Tiere auf der einen Seite der Wippe, damit der stehende Elefant auf der anderen mit seinem ganz steil ausgefahrenen Rüssel die roten Kirschen erreichen kann – was aber noch nicht gelingt. Die Maus klettert gerade auf die linke Seite zu den anderen, um – vielleicht – den letzten Rest nach unten zu drücken, als wir sehen, wie die eine Amsel den Tierhaufen verlässt. Ihr starrer Blick erzählt deutlich, dass sie – wohl erst gerade eben – die Kirschen als lohnendes Objekt der eigenen Begierde akzeptierte und wohl dem Elefanten das Nachsehen gibt. Dabei haben wir noch gar nicht wahrgenommen, was zeitgleich auf dem Bild passiert: Die Schnecke auf der Rutsche schaut ängstlich nach hinten oben auf den kleinen Drachen, der viel zu früh auch runterrutscht, des Wartens wohl allzu müde geworden. Oder: Eine andere Schnecke im Gras beeilt sich, unter dem Wippeende, auf der der Elefant steht, durchzukommen. Oder: Was macht die Amsel auf der Schaukel? Da äugen ein Hirsch und eine Giraffe aus dem nahen Wald, und was machen exotische Tiere eigentlich hier, in einer Gegend, wo der von weißen Wolken bestimmte Himmel auch Berge andeuten könnte.

Von dieser Art sind die Bilder, auf denen keine Menschen auftreten, die aber alle von uns handeln, auch wenn wir keinen Winterschlaf halten wie der wütende Igel, der vom singenden Pinguin unter seinem Fenster offensichtlich geweckt wurde. Absolut lässig und fast nebenbei hält der Eisbär seinen grünen Jagdhut über den Sänger und sein Mikrofon, damit die Wasserdusche des Igels weder Sänger noch elektronisches Material erreicht.

Vielfältig je andere Situationen sind Eva Muggenthaler eingefallen, knapp am Absurden vorbei oder einfach weitergedacht. So führt eine Brücke über ein Gewässer, damit die Landtiere trockenen Fußes hinüber können. Die Fische aber müssen immer unten drunter schwimmen. Warum also nicht eine Brücke für die Fische errichten, die rechtwinklig ist zu der anderen und dazu dient, dass die Fische auch mal  ü b e r  den Landtieren die Brücke Nummer eins quert?

Ein wunderbares Buch, das ALLE Kinder jeder Sprache und jeder Herkunft auffordert, sich der Sprache zu bedienen. Während wir alle in Bildern denken, können also umgekehrt auch Bilder uns zum Denken (und Sprechen) fordern.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en