Peter Ekberg & Sven Nordqvist:
Kann ich wissen, was ich weiß?

Aus dem Schwedischen von Dagmar Lendt

Hamburg: Oetinger 2010

www.oetinger.de 

ISBN 978-3-7891-8436-9
72 Seiten * 12,95 € * ab 10 Jahre

 

 

 

 

In fünf Kapiteln wird dargestellt, dass und  w i e  man am besten Fragen stellt, damit man „weise“ wird oder wenigstens „weiser“ als zuvor. Der Autor baut auf die Neugier der Leser, und Sven Nordqvist liefert in den Sprechblasen seiner Figuren, was gemeint ist. Zu „Wenn alle nett zueinander sind, müssen nicht so viele traurig sein.“ leckt der treue Hund dem Sprecher durchs Gesicht.

Philosophieren durch Text und/oder durch Bild?

Der Titel des Buches klingt verwirrend und ist unklar, denn offensichtlich wird gefragt, ob ich mir über den Wahrheitsgehalt von dem, was ich weiß, im Klaren bin, oder nicht vielmehr – wie Sokrates – fragen muss, welcher Teil von meinem Wissen nicht zu überarbeiten ist. Dabei sei einem Philosophen nie wichtig, „wer recht hat“, vielmehr wird gefragt, „was richtig ist“.

Peter Ekberg fordert den jungen Leser. Er nimmt an, dass ein grundsätzliches Interesse am Thema nicht erst geweckt werden muss, sondern vorhanden ist. Er bleibt zunächst sehr allgemein, vermeidet aber den Eindruck, dass er etwas vorgäbe (… die Suche nach dem Weisen heißt, sich einerseits auf die Moral und andererseits auf das Wissen zu begeben …), unterscheidet dabei aber weder Verstand von Vernunft und verschweigt das Wesen der Methode des Sokrates, nämlich die „Hebammenfunktion“ (du bist im Besitz der Wahrheit, durch Fragen hole ich sie bei dir nur hervor).

Er ist auch nicht immer glücklich in seinem Text. So fordert er zwar auf Seite 41 zu einem Versuch auf, liefert anschließend aber gleich selbst die Lösung. Oder er verschweigt, dass Augustinus mit seinen drei Zeiten nicht unbedingt recht hat, denn auch die bedürfen der Betroffenheit. Ansonsten gibt es keine Gegenwart.

 

Der Illustrator trifft da häufiger den Kern, vielleicht auch, weil er mit einer kleinen Sprachblase auskommen muss. Er: „Ich will mein ganzes Leben mit dir verbringen!“ Sie: "Aber ich muss jede Menge Hausaufgaben machen!“ DAS sind Anlässe, über Zeit zu sprechen, über ein ganzes Leben oder über zwei Nachmittagsstunden. Dagegen kann der Text sich nicht behaupten, verliert sich eher in Nebenschauplätzen (Menschen mit Hirnschaden, sodass die Zeitempfindung verloren geht …)

 

Freude am Philosophieren wird man mit diesem Buch nicht erlangen. Falls man aber schon Freude daran hat, liefert es doch einige neue Aspekte – vor allem in den Illustrationen, die nicht lange drum herum reden (können), sondern pointiert zeigen, was das Problem ist. Wir liefern dann – vielleicht – die Lösung dazu.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en