Marcus Pfister:
Der kleine Mondrabe

Bargteheide: Minedition 2010

www.minedition.com

ISBN 978-3-86566-122-7
28 Seiten * 14,95 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Das ist schon nicht einfach, wenn man zu spät geboren wird, dazu kleinwüchsig bleibt und die anderen einen nicht mitspielen lassen. Im Gegenteil, so einer wird auch noch aufgezogen und, wann immer es geht, hereingelegt. Da kann es passieren, dass der eine gefährliche Mutprobe macht, sodass es den anderen Leid tut. Wir sprechen von einem kleinen Raben, der sich aufmacht zum Mond.

Außenseiter

Die drei alten Raben beklagen, dass die Langeweile sie schon immer gefangen hielte. Nie war hier etwas los. Aber einer erinnert sich an den kleinen Raben, der sich damals aufmachte zum Mond, denn die älteren Geschwister versicherten ihm, dass sie das jeden Tag gemacht hätten, als sie in seinem Alter waren. Da sie ihn doch nie mitspielen ließen, weiß der Kleine, was er zu tun hat. Er fliegt davon und ist bald nicht mehr zu sehen. „Ich hätte ihn aufhalten sollen“, beklagt einer der älteren Raben, den in dieser Nacht ein Traum plagt, in dem der kleine Rabe in den silbernen Mond fliegt, selbst silberne Flügel erhält, die jedoch zu schwer sind für seinen kleinen Körper, sodass er abstürzt wie einst Ikarus.

Wir sehen den Kleinen auf einer Doppelseite vor einer riesigen runden Diffraktionsfolie mit großen silbernen Schwingen, das Gesicht zwischen Angst und Hoffnung, aber wir hören ihn später sagen, dass ihn die Kräfte vorzeitig verlassen hätten. Das macht ihn aber besonders sympathisch, vielleicht wäre er anschließend ein großer Angeber geworden. So aber ist er einer, der das Unmögliche wenigstens versucht hat.

 

Pfisters Raben sind geprägt durch die knallgelben großen Schnäbel im Schwarz des Federkleids, einem gibt er „schüttere Kopffedern“ wie einem älteren Herrn eine beginnende Glatze. Die Blickwinkel seiner Bilder sind oft ungewöhnlich, mehrfach nimmt er eine extreme Vogelperspektive ein, einmal den Gegenblick: 11 Raben schauen mit traurig heruntergezogenen Schnäbeln (nicht einfach, diesen Eindruck zu erzeugen) auf uns, die wir in die Position des kleinen Mondrabens gestellt werden.

 

Nicht jede Mutprobe geht gut aus. Aber wenn sie zur Anerkennung führt und zu einer Erinnerung der Alten - vielleicht sollte man es wenigstens versuchen, zum Mond zu fliegen …

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en