Jorge Bucay & Gusti:
Wie der Elefant die Freiheit fand

Aus dem Spanischen von Stephanie von Harrach

Frankfurt: Fischer Schatzinsel 2010

www.fischerschatzinsel.de

ISBN 978-3-596-85417-2
36 Seiten * 14,95 € * ab 05 Jahre

 

 

 

 

Eine Parabel über die Fesseln, die in der Jugend angelegt werden und deren Berechtigung wir danach nicht mehr infrage stellen. Hier ist es ein erwachsener Elefant, der seine Beinkette am kleinen Pflock klaglos trägt, obwohl er doch stark genug wäre, um sogar einen Baum auszureißen. Der Titel ist irreführend, denn der Elefant findet sie gar nicht, seine Freiheit. Wir dagegen bemerken beim Lesen und Gucken unsere Fesseln.

Freiheit ist nicht Freiheit

Die Geschichte handelt natürlich von Menschen und deren frühkindliche Fesseln, über deren Lösung auch die Erwachsenen nachdenken müssen. Kleinkinder lässt man selbstverständlich nicht allein auf die Straße, aber man muss sie befähigen, sich der von uns angelegten Fesseln später zu entledigen. Das ist auch der Traum des erzählenden Jungen, nämlich dem Elefanten zuzuflüstern, dass er nun stark genug sei, um sich seiner Fesseln zu entledigen. Insofern können wir den Titel des Buches ein wenig weiter fassen: Der Junge zeigt ihm, wo die Freiheit ist.

Die Geschichte bleibt allerdings stehen, denn Freiheit „von“ ist längst nicht das Gleiche wie Freiheit „zu“. Um bei der Geschichte zu bleiben: Was sollte der Elefant mit sich anfangen, wenn er sich der Kette entledigte? Er ist Teil vom Zirkus, in einer Stadt, fern der Savanne, die er sowieso nicht kennt, da er in Gefangenschaft geboren wurde. Außerhalb des geschützten Raumes würde er nichts zu fressen finden, würde gejagt und gehetzt werden, hätte niemandem, bei dem er Unterschlupf finden könnte. Das Wetter, für das er nicht gemacht wurde, würde ihm arg zusetzen.

 

Gusti benutzt für seine großformatigen Bilder Zirkusplakate, Eintrittskarten und immer wieder gestempelte Briefmarken, die von den verschiedensten Gegenden der Welt zeugen. Alle zeigen Elefanten, alle künden von der Freiheit, die Welt zu bereisen und Grüße zurück zu schicken. Dem Zirkuselefanten gesellt er oft ein Jungtier zu, beide haben den gleichen roten Clownshut, der eher traurig macht, als dass er lustig wirkt. Dazu werden beide rot angemalt, überschmierte Lippen, tragische Gestalten. Die Personen sind so gekleidet, wie es vielleicht die Menschen vor knapp 100 Jahren in Frankreich waren. Zu dieser Zeit war der Zirkus etwas Besonderes, wenn er in die Stadt kam mit den exotischen Tieren und dem Geruch des Fremden. Da durfte ein kleiner Junge schreiben: „… war ich ganz vernarrt in die magische Welt des Zirkus.“ Heute ist schon die Existenz von einem Zirkus eher fragwürdig, werden die Tiere zumeist doch nicht adäquat gehalten und zeitgleich sind unser Wissen und unsere Informationsmöglichkeiten erheblich gestiegen.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en