Einar Turkowski:
Der Schäfer, der Wind, der Wolf und das Meer

Hildesheim: Gerstenberg 2010

www.gerstenberg-verlag.de 

ISBN 978-3-8369-5273-6
28 Seiten * 12,95 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Nicht alles, was man kann, ist zugleich das, was einen glücklich macht. So erfährt es der irische Schäfer, der sich um seine Schafe sorgt, bis er diese Aufgabe anderen überträgt, um selbst etwas ganz anderes zu machen. Ein Buch zwischen Skurrilität und Absurdität, aber sehr stimmig und eigenwillig ins Bild gesetzt.

Wesen schaffen

Ein kleinformatiges Buch. Wenig Text auf der linken, rechteckige Bilder auf der rechten Seite, fast ausschließlich mit dem Bleistift erstellt. Die Schafe haben keinen Rahmen und keinen Hintergrund, sie stehen auf einem kurzen Schatten – ganz davon abgesehen, dass Turkowski keine Schafe zeichnet, sondern Wesen, die Schafen ähneln, aber deutlich maschinenähnlich sind: angeschraubte Beine, mal spitz, mal verziert wie auch einige Ohren. Der Hals ist einige Male eine Spirale, hier ein Haken, dort ein Zahnkranz oder ein Drehschalter, ein spezieller Toaster, Druckknöpfe, eine Kurbel, Klebstoff, Nagel.

Bilder, die man genauer anschauen muss, exakt, sehr akkurat mit dem Bleistift gezeichnet. Sie verstören, obwohl oder vielleicht auch, weil sie so glatt sind. Die Grautöne verlaufen unmerklich und deuten Lichtquellen an, Räume in der Fläche.

Wenn man die Geschichte kurz erzählen wollte, so würde „Schäfer wird Fischer“ ausreichen. Was Turkowski daraus macht, ist einerseits durch die Art seiner Bilder geschmacksbildend, durch die Geschichte und die Formulierungen gleitet er andererseits in die Nähe des Absurden. Sein Schiff in Form einer Arche heißt „Pandora“ und trägt zugleich ein verrutschtes Schild „for sale“. Das kann sehr witzig sein, wenn man mit beiden Begriffen etwas anfangen kann. „Man“ – das sind aber nicht die „normalen“ Bilderbuch-Käufer oder –Leser.

Der Preis von fast 13 Euro für das Büchlein ist die Arbeit des Illustrators und Autors bestimmt wert, aber der Verlag setzt mit dem Preis wohl nicht auf eine große Verbreitung, auch wenn es dem Buch zu wünschen wäre.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en