Sebastian Meschenmoser:
Herr Eichhorn und der erste Schnee

Esslingen: Esslinger 2010

www.esslinger-verlag.de

ISBN 978-3-480-22750-1
60 Seiten * 13,90 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Schon 2006 erhielt ein Vorgänger dieses Buches den LesePeter, jetzt endlich wird dieses auch vom Format her als „vollwertiges“ Bilderbuch herausgebracht. Da kommen die Krakeluren noch besser heraus, die freundliche Ironie, die ungemein treffende Wiedergabe von Beobachtung in Bild. Eine wunderbare Geschichte von einem Menschen mit Hintersinn.

Zahnbürste, Socke, Blechbüchse

Drei Tieren (Eichhorn, Igel, Bär) beschrieb das vierte (Ziegenbock), dass die Natur etwas Wunderschönes in Vorbereitung hat: Schnee. So wie ein vielleicht dreijähriges Kind – selbst bei uns – noch niemals bewusst Schnee wahrnahm, so geht es den sehr unterschiedlichen Tieren, die wir bereits aus „Herr Eichhorn und der Mond“ kennen.

Nun sitzt Herr Eichhorn (in ansonsten grau-weißer Welt mit Braun etwas nachgefärbt) still und erwartungsvoll auf seinem Ast. Sein derzeitiges Begehr heißt: bloß nicht den ganzen Winter wieder verschlafen! Aber: „Wer wach bleiben will, braucht Bewegung an der frischen Luft!“ Also rast er wie ein Verfolgter auf seinem Hausast zum Baumstamm, um diesen herum, unter seinem Stamm nach außen und in wilder Kavalkade wieder zurück. Acht Eichhörner zeichnet Meschenmoser, um diesen Kreislauf darzustellen, und jedes Eichhörnchen wäre ein Extra-Bild wert. Herrlich, wie er mit den Hinterbeinen wohl abrutscht und einige Borkenkrumen löst, mit den Vorderbeinen sich aber gerade noch halten kann und den Schwung sogleich nutzen wird, um hinaufzukommen auf den Ast, auf dem er sich gleich in nur einem gestrecktem Galoppsprung an den Stamm zurückbringt.

Auf WAS die Drei dann wirklich warten, wissen wir, aber die drei anderen nicht. Aber sie wissen, dass auch Singen das Einschlafen verhindert, am „besten raue Seemannsweisen“. Allein die Vorstellung, dass da ein Igel und ein Eichhörnchen im gelichteten Wald (es ist Winter) auf einem abgestorbenen Ast stehen und ein Shanty schmettern, ist absolut absurd. Dass sie dabei den Bären wecken, der ebenfalls noch niemals Schnee sah, führt zu weiteren Absurditäten, denn für Schnee gehalten werden Gegenstände unseres täglichen Lebens, die diese Drei auch noch niemals sahen.

Dass die Geschichte gut ausgeht (und sich der Autor selbst auch noch zeigt), ist klar. Dass Menschen ab 3 und ganz bestimmt Menschen ab 13, 23, 43 … Jahren viel Vergnügen daran hat, ist ebenfalls sicher.

 

Vergleiche auch die Rezension (des Kleinformats) unter:
http://www.ajum.de/anzeige.php?id=1807507201

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en