Yves Coppens & Sascha Gepner:
Die Geschichte der Affen

Aus dem Französischen von Stephanie Singh

München: Hanser 2010

www.hanser.de 

ISBN 978-3-446-23466-6
64 Seiten * 17,90 € * ab 08 Jahre

 

 

 

 

Das Sachbilderbuch beschränkt sich im Wesentlichen auf die Stammbaum-Entwicklung der Affen bis in unsere Zeit. Das ist ungewöhnlich, sehen wir doch immer auf den Zweig, der in unsere, die menschliche Richtung zielt. Der hervorragende Prolog kann so manches Schulhalbjahr ersetzen, die Bilder sind gewöhnungsbedürftig bezüglich der Umgebung, die Tiere selbst sind sehr anschaulich gezeichnet.

Affen und Menschen

Im querformatigen Buch beanspruchen die Bilder viel Platz. Der Text muss sich dagegen relativ klein und eng gedruckt behaupten, was vor allem zu Beginn sehr schade ist, denn der Text ist ausgesprochen informativ. Mit zunehmender Seitenzahl, wird allerdings nur noch auf immer gleiche Weise und relativ allgemein beschrieben, sodass die Begeisterung leider abnimmt. Die kommt erst gegen Schluss wieder, wenn die Erzählung persönlich wird und kleine Anekdoten Nähe schaffen. Neu werden für viele Leser die Unterscheidungsmerkmale zur Klassifizierung sein, dass ausgerechnet die Feuchtigkeit der Nase die Stammbaumäste zweigt.

 

Ausgangsbuch eines Buches sind das Titelbild und der Titel selbst. Ein Geschichtsbuch hält den Titel besser bedeckt (was dieses tut) und bringt ein Bild in den Vordergrund, das sofort die Emotionen der potenziellen Käufer berührt (was dieses Buch in besonderem Maß tut). Wir sehen einen nachdenklichen Schimpansen, der aus dem Grau des Restbildes herausgearbeitet scheint. Er stützt sein Kinn in eine Hand, hat sein Gesicht halb nach vorn gerichtet, schaut allerdings nach ganz außen, wobei sein Mund ein Lächeln zeigt, das wir bei einem Menschen als leicht spöttisch bezeichnen würden.

Die Bilder im Buch-Inneren folgen dem Titelbild leider nur annähernd. Der gesamte Hintergrund wird durch ungewöhnlich merkwürdige vergröbernde Kollagen gebildet, die den größten Teil des Bildes beanspruchen, in die bildlich ausgearbeitete Affen hineingesetzt werden – fast so, als wären sie Fremdkörper. Sie gewinnen damit individuell an Aufmerksamkeit, das Gesamtbild gewinnt durch diese Technik leider nicht.

 

Fazit: Ein Buch mit vielen Stärken und fast genauso vielen Schwächen. Vielleicht wäre in diesem Fall (viel) weniger (viel) mehr gewesen.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en