Philippe Bertrand:
Der Krieg der Gemüse

Aus dem Französischen von Egbert Baqué

München: Knesebeck 2010

www.knesebeck-verlag.de

ISBN 978-3-86873-257-3
64 Seiten * 11,95 € * ab 06 Jahre

 

 

 

 

Dies ist die Geschichte der Eskalation eines Konflikts, der bis zu Kriegshandlungen führt. Interessanterweise wird er nicht zwischen Menschen, sondern zwischen Gemüsen ausgetragen, und Auslöser scheint die Form zu sein, denn es kämpfen die „Langen“ gegen die „Runden“. Schlimm! – aber herrlich erzählt und gezeichnet.

Radikale Radieschen

Die Geschichte springt so hinein in das pralle Leben, dass uns gar keine Zeit bleibt zum Wundern. Streit unter den Gemüsen, was sage ich, Krieg! Und dann wundern wir uns auch gar nicht, dass zwar der Text vom Bürgermeister und dem Notar sowie von den Ehefrauen der beiden sowie vom Gastwirt gesprochen wird, das Bild uns aber zwei gewichtige Hunde in menschlicher Kleidung zeigt sowie zwei Hühner und einen Bären. Wolf, Hahn und Schwein bilden die Riege der Journalisten, der Dachs ist der Landwirtschaftsminister mit strammer Bügelfalte, dickem Bauch und unnachgiebigem Verhandlungsgeschick.

Was ist geschehen? Der Beginn liegt im Unklaren, aber offensichtlich eskaliert der Konflikt zwischen den „langen“ und den „runden“ Gemüsen. Kleine Scharmützel werden abgelöst von strategisch geplanten Schlachten. Man traut sich nicht mehr auf die Straße des Dorfes, überall wird getreten, gezwackt, geschnitten, gestochen, Lanzen geschwungen und Sicheln, sind Gabeln zum Hieb bereit oder gar kochend heiße Sauce. Die Dorfbevölkerung verkriecht sich in den Häusern, allein Maxime, der Sohn der Gemüsehändlerin, macht es sich zur Aufgabe, die Verwundeten beider Seiten zu pflegen, unterstützt von einem pazifistischen Zucchino.

 

Die herrlich chaotische Situation wird beschrieben, als sei sie real, und die Bilder dazu folgen der Idee. Unter ganzseitigen Bildern werden Spruchbänder von je zwei Gemüsen gehalten, die Kapitel erhalten Überschriften und Untertitel, der Text mit vielen kleinen Zeichnungen unterbrochen. Der große Zeilenabstand und die kurze Zeile machen den Text lesefreundlich, sodass bereits Dritt- oder Viertklässler ihre Freude an der Geschichte haben können, die – über den Unsinn hinaus – auch eine kleine Moral in sich trägt.

Dass Philippe Bertrand den Schalk im Nacken trägt, erweist sich nicht nur durch den pseudowissenschaftlichen Anhang, sondern auch durch seinen Schlusssatz.

Ein rundum sehr gelungenes Kinderbuch mit wunderbaren Bildern.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en