Christoph Mett:
Schimpfologie

Illustrationen von Hanna Löhr

München: Mixtvision 2010

www.mixtvision-verlag.de

ISBN 978-3-939435-25-9
70 Seiten * 12,90 € * ab 08 Jahre

 

 

 

 

Das alter Ego des Autors heißt Prof. Dr. Wüterich. Kein Wunder, dass der sich im Bereich des Schimpfens gut auskennt und mehr als 30 mehr oder weniger bekannte Schimpfwörter mit seinen Tipps begleitet. Den jeweiligen Ausdruck selbst erklärt der Autor auf je 6 bis 10 Zeilen. Ein gutes Buch gegen das Vergessen.

Elefantenfurz

Ein geordneter Ablauf: Links der Ausdruck, darunter derselbe in „[Sprachschrift]“ plus eine kurze Assoziation dazu (Schnarchnase = ein Riechrüssel zum Gähnen). Es folgt der Text, der mit dem Lieblingsspruch der Person endet („Habe ich eigentlich schon erzählt, …“ ist typisch für die Quasselstrippe). Abgesetzt am Ende der Seite der bereits erwähnte Tipp von Prof. Dr. Wüterich (Kekse anbieten – dann halten die Quasselstrippen wenigstens für wenige Momente die Klappe).

Die rechte Seite macht das Buch trotz des relativ kleinen Formats zu einem Bilderbuch, denn dort darf Hanna Löhr ganzseitig entweder den Ausdruck oder den Erklärungstext interpretieren: Ein Telefonhäuschen (antiquiert?) steht schnatternd eine Gans, während andere Gänse mit Blick auf die Uhr sich empören, dass die Warteschlange vor dem Häuschen immer noch nicht „am Zug“ ist.

 

Das gelbliche, zum Teil gefleckte Papier, das auch die Bilder umrahmt, täuscht das Alter vor, das wir mit den Schimpfausdrücken verbinden. Deswegen sind auch nur Ausdrücke erklärt, die nicht neueren Datums sind („Besserwessi“ fehlt ebenso wie „Clerasil-Testgelände“ für Pickelgesicht), dafür finden wir den „Rotzlöffel“, den „Giftzwerg“, die „Spaßbremse“, das „Arschgesicht“ und den „Kotzbrocken“. Die Ausdrücke sparen nicht mit Derbheit (der Kotzbrocken ist „der König unter den Arschlöchern“) und sind manchmal sogar austauschbar, weil mehrere Wörter auf ein- und die gleiche Person zutreffen. Deswegen scheint auch die Reihenfolge beliebig zu sein.

Am Ende gibt es dann noch Postkarten zum Verschicken – entweder selbst ausgedacht, oder an Lackaffe oder gar an Arschgesicht. Die letztgenannten Bilder sind schon gedruckt – aber an wen sollen wir die Karten schicken? WIR kennen nur nette und freundliche Menschen, weil wir selbst auch so sind. Ein Blindfisch vielleicht, oder auch ein Riesenbaby, aber bestimmt kein Stinkstiefel.

 

Ein schöner Versuch, alte Ausdrücke am Leben zu erhalten und/oder für Kinder zu erklären. Dass die Wörter daraufhin in den Wortschatz aufgenommen werden, ist sicher nicht erwünscht, dass man sie erkennt und klassifiziert schon.

 

Ach, immer dieses „Sowohl als auch“.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en