Barbara Kindermann & Willi Glasauer:
Hamlet

Reihe: Weltliteratur für Kinder

nach William Shakespeare
Berlin: Kindermann 2010

www.kindermann-verlag.de

ISBN 978-3-934029-23-1
40 Seiten * 15,50 € * ab 12 Jahre

 

 

 

 

Brudermord in Dänemark. Claudius tötet den König und heiratet die Witwe, allein der Sohn macht Schwierigkeiten, erscheint dem doch der Geist des Vaters und erbittet Rache. Doch ganz so einfach geht es nicht. Am Hof von Helsingör wird intrigiert – und Liebe ist auch noch im Spiel. Am Ende jedoch ist nicht nur der alte König tot.

Auf Burg Helsingør

Spielt Prinz Hamlet bloß mit Ophelia, wie es ihr Vater ihr einredet? Oder benimmt er sich so merkwürdig, weil sie es ihm leicht machen wollte, dass er bestimmt nur mit ihr spiele, was ihn dazu führt, sich so benehmen als wäre es so. Das sind Verhaltensweisen, die zu Tragödien führen. Ein klares Wort zur rechten Zeit, und es hätte-könnte-wäre-eventuell ganz anders verlaufen.

Ein guter Dramatiker spielt genau damit, und er denkt in Auftritten, Szenen und Akten. Dem folgt leider auch die „Geschichte“ im Buch, denn es will so recht kein Erzählfluss gelingen. Von Seite zu Seite ist am Ende oft ein Erzählbruch, man könnte sogar einige Seiten vertauschen, ohne dass die Geschichte unverständlicher würde.

Schade, dass über den bekannten Monolog („Sein oder Nichtsein …“) fast hinweggegangen wird, er auch im Anhang weder erwähnt noch vielleicht gar ganz abgedruckt ist („… Ob’s edler im Gemüt“, oder im Original: „… Wheather ‘tis nobler in the mind to suffer …”) oder kommentiert wird.

Hier wird das Bemühen der Autorin, Originaltexte (bzw. deren Übersetzungen) in ihre Texte einfließen zu lassen, zumindest fraglich, zumal wenn sie Sätze wie „Ihr machtet mich’s glauben.“ übernimmt, die wunderschön sind, aber wohl nur mit Schwierigkeiten erlesen (ein schönes Teekesselchen) werden.

 

Willi Glasauer steuert 15 ganzseitige Bilder mit bei, die wechselweise auf der linken und der rechten Seite abgedruckt sind, wohl um zu zeigen, dass dies – auch – ein Bilderbuch ist. Er zeichnet kleine Striche, die wie wundersam ein Bild ergeben, eine Person, ein Fechtkampf, ein plumpes Segelschiff im Öresund Richtung England, einen Geist in Ritterkleidung auf den Zinnen vor einem halb verdeckten Vollmond, einen Hamlet, der völlig übertrieben einen vom Geist Verlassenen spielt, eine Begräbnisprozession. Die Bilder wurden (anschließend) zart koloriert, ohne den Eindruck der Striche-Zeichnung zu zerstören. Glasauer zeichnet Hamlet auf dem Titelbild als ernsten Träumer, den die Situation nach dem Tod des Vaters offensichtlich noch überfordert. Dass sie so tragisch endet – immerhin sind am Ende der alte König, Polonius, Ophelia, Gertrud, Laertes, Claudius und Hamlet tot – war zu Beginn nicht abzusehen.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en