Barbara Kindermann & Klaus Ensikat:
Die Räuber

nach: Friedrich Schiller: Die Räuber

Berlin: Kindermann 2010

www.kindermannverlag.de

ISBN 978-3-934029-36-1
36 Seiten * 15,50 € * ab 12 Jahre

 

 

 

 

Das Drama um Bruderverrat und edle Gründe, ins Räuberfach zu wechseln, passte nicht in das Wertesystem des späten 18. Jahrhunderts, ja, Schiller floh wegen des Schreibverbots seines Fürsten aus Württemberg. Armut, Schulden, Krankheit folgten – dem Drama tat das indes keinen Abbruch. Wir spielen es noch heute mit jeweils aktuellen Bezügen auf unseren Bühnen.

Bruderverrat

Jeder ist allein. Auch in der Gruppe wird sich nicht angeschaut, Ensikat macht aus jeder Gruppe eine Ansammlung von Einzelpersonen, von denen jeder offensichtlich etwas anderes im Sinn führt, ersehnt, erhofft oder befürchtet. Das wird bereits auf dem Titelbild deutlich. Der mit der Jakobinermütze (Räuber Spiegelberg?) blickt uns frech ins Gesicht, der in Grün (Räuber Schweizer?) lacht dies grimmige gar nicht lustige Lachen, während er deutlich rechts an uns vorbeistarrt, so als wollte er jemandem zeigen, dass man ihn und die seinen bestimmt nicht erwischen wird. Und vorn die Hauptperson: Karl Moor. Gut, er hat in Leipzig über die Strenge geschlagen, das mit dem Studieren nicht so ernst genommen und bei gar manch grobem Scherz mitgemacht. Aber damit soll es nun vorbei sein. Sein Flausen sind aus dem Kopf, er will zurück ins Schloss seines Vaters, einem fränkischen Graphen, - und zu Amalia, der er sein Herz versprach wie sie ihm das ihre.

Alles wäre gut gegangen, gäbe es da nicht den neidischen Bruder Franz, klein, hässlich, hinterlistig. Mit einem Wort: böse. Seine Intrigen nach allen Seiten sorgen dafür, dass der alte Herr einen Herzanfall erleidet, Amalia sich zurückzieht und Karl sich als Hauptmann den Räubern zur Verfügung stellt. Aber er hat es nicht in der Hand, den Kerlen Ehrgefühl zu vermitteln. Als sie die Stadt anzünden, um Räuber Roller vor dem Galgen zu retten, mordet die Bande zugleich und stiehlt, sodass sie die Rache des Gesetzes herausfordern. Gleichzeitig beschließt Moor, wegen dieser Handlungen nicht mehr ihr Hauptmann sein zu wollen, überdenkt aber noch einmal seinen Entschluss, weil er sie sonst „im Stich“ lassen würde, also ebenfalls ehrlos handeln.

Barbara Kindermann erzählt spannend und fügt, wie auch in den anderen Büchern der Reihe „Weltliteratur für Kinder“, kurze Originalpassagen in kursiv gedruckter Schrift ein. Die Hälfte einer Doppelseite gehört immer der Illustration, diesen typischen Schraffur-Zeichnungen von Ensikat, die anschließend koloriert wurden. Er gibt seine kleinen Kommentare und Hinweise: Ein Sonnensymbol am Sturzbalken leuchtet zu Beginn noch gelb und freundlich, später liegt hier ein Degen, fallen dort die Blätter, greifen Dornenzweige zu den Menschen, liegt das Schloss in großen Teilen dunkel und fast verlassen, brechen kleine Steine oder Kalksand aus den Fugen, haben sich tiefe Furchen in das Gesicht des noch jungen Karl Moor gegraben.

 

Man mag auch andere Meinung dazu haben, ob bereits Kinder mit dem Inhalt von (klassischer) Literatur vertraut gemacht werden sollen, welchen Sinn es haben sollte, den Inhalt von der Schönheit der Originalsprache, für den die Kinder doch noch zu jung sind, zu trennen.

In einer immer schneller werdenden Welt mit immer mehr potenziellen Wissen könnte es passieren, dass man an der Klassik einfach „vorbeikommt“. Da könnte eine Ahnung vom Inhalt hilfreich sein, vielleicht doch nach dem Originalwerk zu greifen oder im Theater anzuschauen.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en