Gisela Kalow:
Kati Mütze

Eine Geschichte mit Milchdieb

Oberursel: Kuse-Verlag

www.kuse-verlag.de

ISBN 978-3-9807616-2-8
28 Seiten * 15,00 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

 

Ja! So müssen Geschichten sein! Mitten hinein in eine uns fremde Welt, die wir doch irgendwie kennen, weil die Zutaten bekannt sind. Mädchen, Milch, Frühstück, Familie, freier Tag, Tier, Weg, Berg, Wasserfall. Aber was Gisela Kalow daraus macht, ist fantastisch, formal wie inhaltlich wie bildlich. So müssen Bilderbücher sein.

Mitleid

Ein Mädchen mit roter Kappe. Ein fließendes Gesicht, gar nicht hübsch, nicht schön. Die Hände sind weich und zu groß, so wie ihre Nase. Alles an ihr ist weich und rund. Der Ort, an dem sie lebt, ist noch ungewöhnlicher. Die Gegend gibt es gar nicht. Eine ausgedachte Landschaft aus ineinander angeschmiegte Berge, Brocken, die Öffnungen zeigen, Wege, Fenster, kurze Geländer, als sei es dort gefährlicher als auf den anderen Wegen. Wir kennen kein Gebiet dieser Art, auch wenn uns alle Einzelteile bekannt vorkommen. So ist es auch mit der Familie. Vater, Mutter, Bruder und Schwester verlassen – wohl so wie täglich – das Haus. Was anders ist als sonst: Kati bleibt heute zu Hause. Hat sich einen ganzen eigenen Tag gewünscht – und erhalten.  

Doch es fehlt sowohl das Brot als auch die Milch. Kati weiß, wo sie beides holen muss, und Geld liegt auch bereit. Aber sie muss ganz allein durch den Berg laufen. Und es heißt, dass ein Milchdieb sein Unwesen treibe. Das bestätigt sogar der Untertitel.

 Eine ganz fantasievolle Geschichte ebenso umgesetzt. Den Nachteil, den Bilderbücher aus einer Hand oft zeigen, kehrt Gisela Kalow um. Sie setzt dem Text ein noch weiter erzählendes Bild hinzu und beschreibt mehr, als das Bild zeigt.

 Einziger Wermutstropfen ist, dass dies dritte Buch ihr bisher letztes ist, auch wenn sie mit der Gründung eines eigenen Verlags zumindest dafür gesorgt hat, dass ihre Bücher nach wie vor erhältlich sind. Wenn wir der Entwicklung von „Mondmärchen“ über „Menschenskind“ zu „Kati Mütze“ folgen, so müssen wir dennoch bedauern, dass die Reihe bisher nicht fortgesetzt wird.

 Selten finden wir derart dichte Texte und Bilder aus einer Hand.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en