François Sarano & Stéphane Durand:
Unsere Ozeane

Aus dem Französischen von Werner Kügler

München: Knesebeck 2010

www.knesebeckverlag.de

ISBN 978-3-86873-194-1
48 Seiten * 14,95 € * ab 06 Jahre

 

 

 

 

Ein sehr informatives Sachbuch über die Entstehung des gleichnamigen Films, das durchaus auch ohne Kenntnis des Films wirkt. Viel besser allerdings ist die Verbindung der beiden. Dann nimmt man die ganzen Fragen mit und findet hier Antworten: Wie kann man nur ein Schiff von außerhalb in einem derartigen Sturm filmen, dass man fast jeden Wassertropfen sieht? Wie mutig muss man sein, um neben dem riesigen Haifisch zu schwimmen?

Nachhaltige Bilder

Bilder von dieser Wucht und Ungewöhnlichkeit kommen nicht durch Zufall zustande. Das Filmteam hat mehrere Jahre geplant, um dann in vielen Teilen der Welt (an mehr als 13 Orten) mit einer Mannschaft von ausgesprochenen Spezialisten zu drehen. Die beiden Regisseure[1] Jacques Perrin und Jacques Cluzaud zeichnet diese Art von Besessenheit und Ausdauer aus, die ein „geht nicht“ oder „hat noch niemand geschafft“ nicht akzeptieren. Im Interview verrät Cluzaud: Zum Einsatz kamen unter anderem „ein Unterwasserscooter, zwei Torpedokameras, … ein ferngesteuerter Miniatur-Helikopter, ein auf einem Schiff montierter Kamerakran mit stabilisierendem Kopf, der den Horizont bei jeder Geschwindigkeit und auch bei hohem Seegang gerade hält …“

Wir erhalten Antworten auf ziemlich wichtige Fragen, die uns im Traum nicht eingefallen wären, wie: Tauchen mit oder ohne Luftblasen? Ja, geht das denn ohne? Wie? Warum machen das nicht alle Taucher? Gibt es Vorteile des traditionellen Tauchgeräts? Da sind uns Erklärungen des Kamerakrans fast schon näher, weil das Fernsehen bei vielen Sportereignissen inzwischen solche und ähnliche Geräte nutzt.

Die Über-Unter-Wasser-Kamera kam im Eismeer zum Einsatz, in der Antarktis (die abenteuerliche Fahrt per Segelschiff dorthin wird nur angedeutet) also, um den „Schrecken der Eismeere“ auf den Film zu bekommen, den Seeleoparden. Das richtige Verhalten war wichtig, um nicht als Fress-Konkurrent angegriffen zu werden oder gar als Futter, gehöriger Abstand also, „ohne jedoch zurückzuweichen“. Dazu gehören nicht nur starke Nerven, sondern auch Vorkehrungen, die eine tatsächliche Gefahr des Tauchers ausschließen.

Jede Doppelseite beschäftigt sich mit einem eigenen Kapitel. Es werden vorgestellt: Der pazifische Fregattvogel, auch „Pirat der Tropen“ genannt, der Seeleopard, der weiße Hai, der Spinnerdelfin, die Qualle, der Orca als leiser Jäger, der Wal, die Thunfische. Probleme der Tonaufnahmen unter Wasser und die Veränderung des Lichts, das Mithalten von enormen Geschwindigkeiten, ein imaginäres Museum wird vorgestellt.

Jede Doppelseite wird beherrscht von einem ganzseitigen Bild, in dem sich verschiedene Informationen auf „Karteikarten“ anordnen, die mit einigen Illustrationen versehen sind. Aber besonders beeindruckend sind die Bilder, die die ganze Majestät des Ozeans zeigen: Wal und Taucher vor unendlichem Blau und großer Stille.

 

Wer nach dem Buch für Kinder und Jugendliche (es gibt ein weiteres, das dem Film ein anderes Genre gibt: Jacques Perrin: Unsere Ozeane, Knesebeck Nov 2009, 978-3-86873-129-3 * 59,95 €) noch immer nicht neugierig wurde auf den Film (der selbstverständlich eine große, am besten eine riesige Leinwand braucht), der wird sich auch für den Rest der Natur wohl nicht begeistern können.


 

[1]    Nomaden der Lüfte, Mikrokosmos, Le Peuple singe – Das Leben der Affen

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en