Felix Mertikat & Benjamin Schreuder:
Jakob

Ludwigsburg: Cross xcult 2010

www.cross-cult.de

ISBN 978-3-941248-82-3
64 Seiten * 16,80 € * ab 15 Jahre

 

 

 

 

Jakobs Mutter ist gestorben. Jakob ist acht Jahre und er versteht die Welt nicht. Er sucht seine Mutter und gerät in immer absurdere Situationen.
Eine Bildergeschichte, die sehr verstört und Vieles tut, um „Schönes“ zu vermeiden.

Von der Mutter verlassen

Das Buch ist entstanden als Diplomarbeit am Animationsinstitut der Filmakademie Baden-Württemberg. Die Idee der Verfilmung merkt man den im Stil von Comics gehaltenen Illustrationen (grafische Novelle) und dem Aufbau der Geschichte an: eine gute Grundlage für ein Script oder das Drehbuch selbst.

Wir haben es mit einer Situation zu tun, die ein achtjähriger Junge nicht verstehen kann, die in ihm eine Entwicklung auslöst, der er nicht gewachsen ist. Mama macht „eine lange Reise“ sagt der Mann, den wir als Begräbnisunternehmer vermuten können. Einen Vater gibt es nicht, die Tante, die sich um ihn kümmern wird, tritt nicht auf. Jakob wird mit deutlich zu großem Kopf und großen Augen gezeichnet, das Babyschema allerdings völlig durchbrochen durch die Hasenscharte und die überdimensionalen Ohren, die ihn erstens hässlich machen und zweitens als Comicfigur auszeichnen.

Die Grundidee ist, Jakobs Innenleben nach außen sichtbar zu machen. Warum hat seine Mutter ihn nicht mitgenommen auf die Reise, sondern stattdessen allein zurückgelassen? Jakob gerät an Orte, die man besser nicht aufsucht, er gerät an Raben, denen nicht nur in der germanischen Mythologie nachgesagt wird, dass sie – mehr als jeder Hund – treue Vasallen ihres Meisters sind, den anderen aber unheimlich sind. Wir sehen hier einen, der an den Schwären am Kopf eines Bettlers (?) hackt, ein anderer tut sich als Ausbesserer einer Vogelscheuche hervor, ein dritter ist König der Raben und herrscht über einen riesigen Müllberg.

Es lassen sich innerhalb der Geschichte neun, vielleicht zehn „Kapitel“ festmachen, die durch besondere Orte und/oder Personen beherrscht werden, keine hilft Jakob, dass er aus seiner Verwirrung wieder herausfinde.

Die Geschichte lebt allein durch die Bilder. Wenige Texte werden in rechteckigen Sprechblasen mit abgerundeten Ecken als Dialoge geschrieben. Jakobs Text ist in „normaler“ serifenloser Schrift gehalten, die anderen Gestalten sprechen in fettgedruckten Großbuchstaben.

Es bleibt viel Ungelöstes am Ende des Buches und deutlich mehr Fragen als zu Beginn. Wenige Hinweise am Ende des Buches beschreiben eher technische Fragen zur Gestaltung der Figuren oder zum Bildaufbau und der Benutzung von Tusche oder Bleistift, „Gouasche-Akzente“, Farbe aus dem Computer oder Aquarellfarbe. Felix Mertikat beschreibt seine Schwierigkeiten, Jakob so zu gestalten, wie er die Figur in der Geschichte sieht und wie er sie – allein im Gesicht – altern lässt.

Das Buch ist in der Folge einer Diplomarbeiten entstanden. Es wäre hilfreich, einige Grundideen oder Charakterstreifen als Ein- /Beilage hinzuzufügen. Es wendet sich eindeutig nicht an ein „breites Publikum“, sondern ist im Gegenteil „sehr speziell“ – als Vorbilder wird u. a. Tim Burton genannt. Besonders die abstoßenden Szene mit den eiternden Wundgeschwüren lässt viele zurückschrecken, sich mit Jakob zu beschäftigen, diesem Kind, dass sich von der Mutter durch ihren Tod verlassen fühlt.

Warten wir ab, ob ein (geplanter) Film hilfreich sein wird.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en