Amy Krouse Rosenthal & Jen Corace:
Die kleine Eule
die nicht immer so lange aufbleiben wollte

Aus dem Englischen von Anu Stohner

München: Hanser 2010

www.hanser-literaturverlage.de

ISBN 978-3-446-23467-3
32 Seiten * 9,90 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Nachdem die kleinen Kinder das „als ob“ entdeckten, das Hineinschlüpfen in andere Figuren oder Menschen, kann man mit ihnen auch „Gegenteiltag“ spielen. Hier dreht es sich um die kleine Eule, die ja ein Nachttier ist und eben nicht noch länger aufbleiben möchte, wie das gleichaltrige „Tagtier“ Mensch. Jene wollen noch etwas länger wach bleiben, diese wollen schon etwas früher ins Bett.

Noch ein Glas Wasser?

Mensch: „Nur noch eine Gutenachtgeschichte! Bitte!“ „Ich habe so einen Durst! Soll ich vielleicht verdursten?“ „Ich muss noch mal!“ „Da ist so ein Schatten in meinem Zimmer.“ - Eule: „Ich habe eine ganze Stunde gespielt – darf ich jetzt (endlich) schlafen gehen?“ „Nur noch zehn Minuten, Schätzchen!…“ antwortet Mutter Eule.

Herrlich, wie sich die Argumente vertauschen! Die kleinen Kinder entdecken, dass sie unbedingt noch Staub wischen müssen, dass es zieht, dass da ein Gespenst ist – so viele Argumente, die das Einschlafen verhindern sollen. Hier erfahren die Kinder, dass es auch ein anderes Leben gibt. Unsere kleine Eule möchte nämlich nichts sehnlicher, als endlich ins Bett zu dürfen. Um die Zeit bis zu diesem Termin zu überbrücken, fällt unserer kleinen Eule so manches Spiel ein, aber, das weiß doch jeder, nichts hilft gegen den eigentlichen Wunsch, endlich ins Bett zu dürfen, sich einzukuscheln, ja, genau so, wie wir es am Morgen kennen: Nein, noch nicht aufwachen! Nur noch 5 Minuten…

Jen Corace zeichnet unsere kleine Eule, als trüge sie eine enge gelbe Kapuze im „Teufelsstil“ auf dem Kopf, dazu gestrichelt, als wäre es eine Ausschnitt-Linie. Sehr süß sieht sie dennoch aus und ist eine echte Sympathieträgerin und Vorbild, geht sie doch gern zur Schule (sagt der Text, belügt das Bild) und erfährt alles über die W-Fragen von Wer über Was und Wann zu Warum. Sie gibt den Freunden der kleinen Eule je ein (verstecktes) Gesicht und zeigt, dass und wie diese früh ins Bett dürfen. Sie zeigen nicht, welcher Kampf eventuell zuvor stattfand, NICHT ins Bett zu müssen.

 

Aus dieser Diskrepanz lebt die ganze Geschichte – nicht zum Schaden der Eltern, nicht zum Schaden der Menschenkinder, die allerdings auch nach diesem Buch nicht zu Eulenkindern werden. Bestimmt nicht. Aber sie verstehen eher, was gemeint ist mit der „letzten Mahnung“ am Abend.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en