Marjaleena Lembcke & Sylvia Graupner:
Wenn ein Müllmann zaubert

Köln: Boje 2010

www.boje-verlag.de

ISBN 978-3-414-82236-9
28 Seiten * 12,95 € * ab 04 Jahre

 

 

 

 

 

In Wirklichkeit wollte er Zirkusdirektor werden, nicht Zauberer, nicht Clown, nicht Trapezkünstler, nein, Zirkusdirektor. Mit hohem schwarzen Zylinder und breitem Schnurrbart. Die Wirklichkeit ist dann aber ganz anders. Hermann Pullmann ist Müllmann, auch wenn er immer noch träumt – und sogar ein bisschen zaubern kann.

Plädoyer für den Zauber des Zirkus

Die Geschichte ist gut, weil der Schluss stimmt. Zwischendurch ist sie ein bisschen langatmig. Das Leben des jungen Mannes, des Müllmanns, mit seinen Kollegen Gregorewitcz und Müller ist einsam, niemand spricht mit Müllmännern. Ein Aufflackern geschieht, als einmal Herr Pullmann eine Zirkusmelodie pfiff und vor einigen Schulkindern anfing zu zaubern. Das Leuchten in den Augen der Kinder – das ist es, was ihn beflügelt, und das ist auch der Grund, warum er durchhält und beides ist, bleibt, wird: Müllmann und Zirkusmensch.

Sehr merkwürdige Bilder zeichnet Sylvia Graupner, grün gehalten zum Orangerot der Müllabfuhr. Viel Schwung ist drin und viel „Zauberhaftes“: Trompete spielender Frosch, ein Fisch balanciert einen Teller mit Spaghetti, ein Hund mit Schirm überquert das Seil, ein anderer fährt auf dem Skateboard, an seinem aufgerichteten Schwanz ist eine kleine Fahne befestigt, auf der ein Apfelgripsch abgebildet ist, und, als es Hermann so richtig schlecht geht, hängt über seinem Kopf eine dunkle Wolke und regnet sich genau dort ab.

Als wiederkehrendes Moment sind in vielen Bildern gefaltete Papierschiffchen untergebracht, Ausschnitte aus 1:50.000-Landkarten und fast immer ein Fisch: mal in einem Saxofon, das am Regenschirm zum Boden segelt, mal als Fisch im runden Aquarium, das per geknicktem Strohhalm aus der nebenstehenden Tasse ein Getränk schlürft. Das hat natürlich alles nichts mit der Geschichte zu tun und muss sich fragen lassen, ob es über den Text hinaus eine neue oder erweiterte Geschichte erzählt oder nur der Staffage dient.

Das gilt auch für den Druck des Textes, der in freie Stellen der doppelseitigen Bilder eingefügt ist. Jeweils eine Zeile ist fett gedruckt, ganze Absätze schräg eingefügt. Auch hier scheint der Effekt dem Nutzen vorgezogen zu sein.

Insgesamt leider nicht stimmig

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en