Heinz Janisch & Isabel Pin:
Du Gruselgorilla / Du Schmusegorilla

Zürich: Bajazzo 2010

www.bajazzoverlag.ch

ISBN 978-3-905871-13-5
160 Seiten * 14,90 € * ab 04 Jahre

 

 

 

 

Das querformatige Wendebuch mit dem Untertitel „Ein Liebes- und Schimpf-Wörterbuch“ spielt mit der ungewöhnlichen Zusammensetzung von Adjektiv/Verb und Nomen. Die neuen Wörter sind gestaltet gedruckt und zu Gruppen sortiert. Schimpfen von der einen Buchseite, Liebevolles beginnt auf der anderen. Aber treffen tun sich die beiden in der Mitte – wie so oft.

Lieben - Schimpfen - Lieben

„Ich hab dich so gern / wie der Apfel seinen Kern!“ dichtet Janisch zu Beginn der Seite, die die Liebeswörter beinhaltet. Dann folgen Tiere, Gemüse und Obst (Du meine Erdbeere …, Gurkenheld, Kastanienmund, …) und so weiter.

Von der anderen Seite (Buch bitte einmal wenden) die Schimpfwörter: „Du Esel! Du Schwein! / Schimpfen muss manchmal sein! … “ Einigen ist der „Affenpopo“ das liebste, andere finden den „Bananenverbieger“ als sinnlose Arbeit ziemlich heftig, aber so richtig verletzend ist keins der Schimpfwörter, auch nicht „Zwergradieschen“ oder „Stachelberg“ oder „Tulpenschreck“.

 

Isabel Pin hat für einige der Wortschöpfungen Bilder erfunden. Auf den beiden Titelbildern sieht man je einen Gorilla. Der eine hat grüne Gurkenohren, der andere balanciert auf seiner rosa Zunge eine rote Erdbeere mit grünem Blatt. Im Buch selbst balanciert er übrigens eine geöffnete Dose von „Campbell’s Tomato Soup“ – kleine Zitate an die Welt für die Erwachsenen.

 

Mit diesem Wendebuch wird ein schönes Spiel für Zwei vorbereitet, das mit Sprache spielt und damit überhaupt schon mal „gut“ ist. Man knicke ein Blatt Papier, links schreibt man ein Verb oder Adjektiv (positiv oder negativ beladen) hin, wendet das Blatt und gibt es dem Partner, der ein ebensolches zurückgibt. Auf der rechten Seite muss ein Nomen, Tier, Beruf oder Ähnliches notiert werden. Dann wird aufgeklappt und zusammengefügt. (Anmerkung: Dieser oder ein ähnlicher Absatz fehlt im Buch.)

Wenn schöne Wort-Verbindungen entstanden sind, malt und/oder schreibt man die in die Mittenseiten des Buches, vielleicht ebenso geschwungen wie einige Wortkonstruktionen kurz zuvor gedruckt wurden, vielleicht mit einem Baum und einem Vogel, der „birkenweiß“ zwitschert – aber das steht schon im Buch.

Allein ist dieses Spiel weniger sinnvoll, da gerade durch das Abdecken des Vor-Wortes sinn- oder assoziationsfreie neue Verbindungen entstehen: Stachelfee vielleicht oder Bittermohn oder Rotlichtgurke (empirisch belegte Schöpfungen von Kindern).

 

Ein pädagogisch sinnvolles Buch haben wir hier, weil es erstens mit Sprache spielt, weil es zweitens Schimpfwörter zulässt (, wenn es denn mal sein muss), weil es drittens das Schimpfen mit Lieben kompensiert.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en