Marianne Ilmer Ebnicher & Anni Unterholzer Tutzer:
Frau Ottilie /Herr Fridolin

Ein Bilderbuch zum Drehen und Wenden

Bozen: Raetia 2009

www.raetia.com

ISBN 978-88-7283-350-6
28 Seiten * 14,90 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

 

Ein Buch, das man bis zur Mitte lesen muss, dann schließen, wenden und neu beginnen muss, damit man das Mittelbild, wo beide Geschichten sich treffen, verstehen kann. Dort sind nämlich zwei Personen abgebildet, die sich gegenseitig umarmen und offensichtlich glücklich sind, obwohl sie so gar nicht zueinander zu passen scheinen.

Groß und klein

Es spielt keine Rolle, auf welcher Seite man beginnt, man hat es sofort mit einer unglücklichen Person zu tun, und das Unglück hat etwas mit der Größe des Menschen zu tun. Beginnen wir mit Herrn Fridolin. Der versucht, seiner Kleinwüchsigkeit zu entkommen. Er trägt extrem dicke Schuhsohlen (nachdem die Sache mit den Stelzen schief gegangen ist) und meistens einen Hut. Aber auch alle Wachstumshilfen wie Akazienblätter oder Dung helfen nichts. Er wird gehänselt und entflieht der Stadt, bis er ans Meer kommt.

Genau gegenteilig geht es der Frau Ottilie, nur dass deren Problem ihre enorme Größe ist. Als die beiden sich in der Mitte treffen, wissen sie genau, was ihnen wirklich fehlte: eine Person, die die jeweils andere liebt, so wie sie ist. So wie einst Münchhausen können sie sich nun gegenseitig aus ihrem Sumpf ziehen und glücklich werden.

 

Das richtig Ungewöhnliche ist nicht die Geschichte und auch nicht das Buch zum Wenden, sondern die Art der Darstellung. Die Bilder von Anni Unterholzer Tutzer sind zum Teil nicht gemalt, sie sind gestaltet. Aus offensichtlich hochwertigem Papier, eventuell sogar handgeschöpft, werden Räume gestaltet, werden Figuren aufgeklebt, wobei die beiden Hauptpersonen Kleidung aus gefilzter Wolle tragen und nur ergänzend gezeichnet wurden. Die Illustratorin kann den Wegweiserbaum mit den namenlosen Schildern auf beiden Anfangsseiten, die sich auch ansonsten entsprechen, zweifach benutzen – wenn auch darauf geachtet wurde, die Größenverhältnisse gleich zu Beginn klarzumachen, die dann, sehr „plötzlich“, auf der Mittelseite offensichtlich keine Rolle mehr spielen.

Das mögen wir gern glauben, dass „auf jeden Topf ein Deckel passt“, auch wenn der Deckel um ein Vielfaches zu groß ist. Die beiden finden sich nicht als Notgemeinschaft von Ausgeschlossenen, ihre glücklich lächelnden Münder sprechen eine andere Sprache. Hier haben sich wirklich zwei gefunden.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en