Sebastian Loth:
Jolante sucht Crisula

Die Geschichte einer unendlichen Freundschaft

Zürich: NordSüd 2010

www.nord-sued.com

ISBN 978-3-314-01746-9
60 Seiten * 12,00 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Hättest du nie geliebt …

… müsstest du auch nicht traurig sein. Aber wie arm wäre dieses Leben gewesen, Jolante ohne Crisula, Gans (nicht Schwein) ohne Schildkröte. Ja, schon merkwürdig, welche Konstellation das Leben vorrätig hält für uns. Aber niemand, der das Titelbild gesehen hat, wird die große Liebe zwischen den beiden bestreiten können. Und dann ist Crisula (127 Jahre alt) einfach weg. Kein Abschied, kein Hinweis, kein Rest, keine Spur. Erst viele Seiten später kann Jolante richtig heulen.

Unendlich kann sie gar nicht sein, die Freundschaft, denn unendlich kann gar nichts sein. Die Liebe vielleicht, aber auch das ist nicht gewiss. Der Tod vielleicht, aber selbst das ist nicht sicher.

So einfach ist es also, zwei Wesen aus dem Tierreich wiedererkennbar zu zeichnen. Ein paar schwarze Linien, ein paar Flächen, zum Teil nicht einmal geschlossen umliniert, vier Farben, eine hingehuschte kleine Linie für das eine Auge in unserem Blickfeld. Hingegossen, kein Zwischenraum zwischen den beiden. Auf dem Titelbild ist die ganze Liebe zu sehen, auch wenn sie merkwürdig ist, eine Liebe zwischen einer Gans und einer Schildkröte, die schon mehr als 100 Jahre auf dem Buckel hat und vor allem zwischen den Salatköpfen lebt.

Liebe heißt auch: Vieles gemeinsam machen und erleben. Die beiden lesen gemeinsam, schwimmen gemeinsam, reisen miteinander und lachen, sprechen miteinander über die wichtigen Dinge des Lebens, über ihre Ängste und Träume. Im Text wird allerdings die Vergangenheit beschrieben, denn Crisula fehlt nach einem Drittel des Buches. Das heißt eben nicht, dass es sie nicht mehr gibt, das kann vielleicht erst eintreten, wenn Crisula auch nicht mehr da ist. Aber Halt! Wir sind jetzt mit in der Erinnerung. Und so wird Tod wohl erst ganz, ganz langsam mächtig.

Ganz wunderbar, dass und wie Jolante endlich versteht, dass die Schildkröte weder im Himmel über dem Mond noch unter der Erde wiederzufinden ist. Ganz schön, dass das mit vielen Tränen und viel Kummer geschieht.

Ein kleines schmales Buch mit vielen Seiten, damit die – vergebliche – Suche Zeit gibt, sich mit dem Unabänderlichen abzufinden.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en