Chen Chih-Yuan:
Kleiner Spaziergang

zweisprachig Chinesisch – Deutsch

Aus dem Chinesischen von Johannes Fiederling

Zürich: Nord-Süd Baobab 2010

www.nord-sued.com

ISBN 978-3-314-01757-5
36 Seiten * 14,95 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Heute Abend muss Papa kochen, weil Mama länger arbeiten muss. Es soll Reis mit Ei geben, aber die Eier dazu soll Hsiao-Yü (das bedeutet „Kleiner Fisch“) mitbringen, weil sie sowieso nach draußen will. Der Weg durch die menschenleere Stadt gerät zu einem einzigen Spiel mit den kleinen Dingen und den Schatten.

Schattenspiele

Wenn man dem Schatten nimmt, dann kann man sogar auf dem Dachfirst balancieren und der Katze folgen. Die Stadt ist wie ausgestorben, die Sonne steht hoch und wirft kurze, kräftige Schatten. Das helle Licht wie die ganze Umgebung wird blau, wenn man durch eine Murmel schaut. Dann entdeckt Hsiao-Yü eine alte große Brille, und die Welt um sie herum wird ganz unscharf, das kleine Mädchen aber fühlt sich gleich ganz groß, erwachsen fast mit dieser Brille. Da kann man gleich mit dem Eierverkäufer „auf gleicher Augenhöhe“ sprechen: „Keine normalen Eier, bitte, sondern solche für gebratenen Reis …“, und dann behauptet sie auch noch, dass sie selbst kochen wird, für sich und ihre Familie.

Der Verkäufer kennt die Kleine und spielt das Spiel mit. Und die merkt wohl, dass sie ein bisschen trödelte, denn den Rückweg nimmt sie laufend, ohne nicht doch eine Blume, die sich in der grauen Welt dennoch einen Weg ins Licht schuf, zu pflücken für die beiden Menschen, die sie am liebsten hat.

 

Der Übersetzer erhält am Ende Schriftplatz, um die Bilder mit seiner Lebenswirklichkeit in Taiwan in Übereinstimmung zu bringen und uns mit vielen Details zu informieren.

Daraufhin schauen wir uns die Bilder, die im Wesentlichen Ocker und Grau benutzen, noch einmal an. Eine ruhige, schöne Welt mit ganz wenigen Menschen und einem sympathischen Mädchen, das sich offensichtlich um nichts sorgen oder kümmern muss. Außer um die Eier für den Bratreis natürlich.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en