Elisabeth Steinkellner & Michael Roher:
An Herrn Günther mit bestem Gruß!

Wien: Jungbrunnen 2010

www.jungbrunnen.co.at

ISBN 978-3-7026-5815-1
36 Seiten * 15,90 € * ab 04 Jahre

 

 

 

 

 

Es gibt mindestens drei Gründe, warum man Herrn Günther unsympathisch finden muss: Er wirft achtlos seine Zigarettenkippen in die Gegend. Er motzt grundlos selbst Jan mit seinem Rollstuhl an. Er brüllt seine Frau so laut an, dass man es in der ganzen Senftalgasse hören kann. Die drei Mädchen finden, dass man das nicht so lassen kann.

Lernen durch Scham

Die drei Mädchen, das sind Yasmina, Valerie und Noemi, und sie werden vorgestellt, als wären sie Teil einer der Serienbücher für Kinder: Lieblingsjahreszeit, spezielle Fähigkeiten, Lieblingsfarbe (violett mit rosa Streifen) usw. Sie genießen ihre Freundschaft, dass sie viel zusammen machen können, ja, sie machen sich sogar einen Tagesplan, auf dem sie „die faule Nachbarskatze streicheln“ wollen, „Noemis großer Schwester heimlich beim Küssen zusehen“ wollen und „mit Valeries kleinem Bruder Jan spazieren fahren“. Und genau da passiert es zum ersten Mal, dass der zugezogene Herr Günther erst seine Kippe fast auf die Katze schnippst, dann Jan anmeckert, weil ihm dessen Rollstuhl im Weg rumsteht. Zum Schluss des Tages müssen die drei auch noch miterleben, wie Herr Günther seine Frau anbrüllt. Da beschließen sie, dass das auf keinen Fall so weiter gehen kann.

Auch wenn die Methode „jemanden beschämen“ wohl nur funktioniert, wenn dieser eine ähnliche Sozialisation durchgemacht hat, so haben wir hier ein schönes Beispiel, wie drei Kinder einen Erwachsenen erziehen können. Es ist eben noch nicht Hopfen und Malz verloren.

Die Bilder sind gewöhnungsbedürftig, dann aber sehr stimmig. Die Menschen haben alle „Spagatbeine“, auch U-Beine genannt, und extrem dicke, lange Nasen und sehen gar nicht schön aus. Dafür sind ganz viele ganz freundlich, und das ist ganz sicher viel wichtiger.

Eine lehrreiche Geschichte, gar nicht lehrhaft dargestellt. Sehr angenehm.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en