Brigitte Endres & Sabine Wiemers:
Die Prinzessin und die Erbse

St. Pölten: Nilpferd in Residenz 2010

www.residenzverlag.at

ISBN 978-3-7017-2067-5
28 Seiten * 14,90 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

„Verwöhnte Göre gegen eigenwillige Erbse“ wäre ein anderer Titel des Buches oder noch ein Vorschlag: „Woher die Prinzess-Erbse[1] ihren Namen hat“. Eine witzige (und lehrreiche) Geschichte, die mehrfach mit dem Genre Märchen spielt und besonders mit dem einen, wird wunderbar in entsprechende Bilder umgesetzt.

[1]  Es heißt auch gar nicht Prinzess-Erbse, sondern  Prinzess-Bohne.
 


Sag das Zauberwort mit „tt“

„Wut macht Mut“ schreibt Brigitte Endres, und so springt die Prinzessin der widerspenstigen Erbse aus dem Turmfenster hinterher, quetscht sich durch eine Mäusegang und klettert hoch in den Apfelbaum – die Erbse, die als allerletzte ihres Mittagessens sich nicht aufessen ließ, sondern tatsächlich mit einigem „Hihihihi“ eine wilde Verfolgungsjagd auslöst. Den Charakter der Prinzessin findet man schon bei Hans Christian Andersen, aber während dort die Erbse die „besondere Empfindlichkeit“ der Prinzessin als etwas Positives herausstellt, wird hier der umgekehrte Weg beschritten. Die Erbse zeigt den Charakter nicht nur auf, sie ändert ihn. Dass sie dafür „geadelt“ wird, ist kein zu geringer Lohn.

 

Sabine Wiemers illustriert nicht nur, ihr sitzt dabei auch noch der Schalk im Nacken. Als treuen Begleiter auf den Bildern der Prinzessin wählt sie den Frosch. Der darf auf der Krone sitzen, auf dem Biedermeiersofa, sich gegen den Frustrationssturm der Prinzessin am Grashalm festklammern und, diesmal am Bein des Mädchens, die Mäusetunneltour mitmachen.

Ein anderes witziges Detail: Der Rock der Prinzessin beim Sprung aus dem Turmfenster ist in Wirklichkeit von innen das Foto eines Pilzes – und die Silhouette des Fallschirmsprungs ähnelt der auf dem „Achtung“-Schild, das vor Zecken(bisse) warnt. Daneben darf ein etwas tumber „Hans im Glück“ mitspielen, ein (Glücks-) Schwein einen Zylinder (= Symbol des Schornsteinfegers als Glücksbringers) tragen und das Schlossgespenst – fast unsichtbar – auftreten.

Das „Originalmärchen“ darf man kennen, muss man aber nicht, denn mit der Persiflage ist ein sehr eigenständiges Werk gelungen, dessen pädagogischer Inhalt allerdings um ein Vieles wertvoller ist als Andersens Märchen. Aber das muss kein Kriterium sein.

Übrigens: Das Zauberwort mit „tt“ heißt nicht etwa: „… aber flott!“

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en