Ulf Nilsson & Eva Eriksson:
Als wir allein auf der Welt waren

Aus dem Schwedischen von Ole Könnecke

Frankfurt: Moritz 2010

www.moritzverlag.de

ISBN 978-3-89565-212-7
32 Seiten * 12,90 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Noch nicht mal 6 Jahre alt, und schon muss er für sich und seinen Bruder sorgen, denn seine Eltern sind bestimmt von einem Lastwagen überfahren worden. Warum sonst kommt Papa nicht, obwohl es doch schon drei Uhr ist? Bereits mit den ersten Worten sehen wir die Welt mit den Augen des Jungen, der die Last der Verantwortung übernimmt, nicht einfach, aber verantwortungsvoll. Hinterhältig schöne Bilder!

Zeit

Der kleine Ich-Erzähler, noch keine 6 Jahre alt, weiß, dass ihn sein Vater immer um 3 Uhr nachmittags abholt. Da er nun gerade die Uhr gelernt hat, weiß er natürlich, wann es so weit ist. Aber offensichtlich sind seine Kenntnisse noch etwas lückenhaft, denn er wartet und wartet, geht dann allein nach Hause (es ist ja nicht weit), und stellt fest, dass niemand zu Hause ist, die Haustür verschlossen. Sofort ist ihm – und damit auch uns – klar, dass irgendetwas überhaupt nicht stimmt. 3 Uhr? Nicht abgeholt? Haus verschlossen? Die Frage wird sofort zur traurigen Gewissheit: Die Eltern sind gestorben. Bestimmt bei einem Verkehrsunfall.

Wir leben mit dem Jungen, der nun für sich und auch noch für seinen jüngeren Bruder verantwortlich ist. Das Haus ist verschlossen, also müssen die beiden ein neues bauen. Es gibt keinen Fernseher? Also muss ein Karton herhalten.

Dass letztlich alles nur eine Zeitfrage ist, haben wir nach den Hinweisen auf dem Vorsatz schon vermutet. Aber gern haben wir uns in die Situation eines noch nicht einmal Sechsjährigen begeben und seine, natürlich noch sehr begrenzte, Sichtweise des Lebens übernommen.

Verführt wurden wir allerdings nicht nur durch den Text, sondern vor allem auch durch die so harmlos erscheinenden Bilder, die den Text erst richtig zur Wahrheit werden lassen. Unser kleiner Erzähler ist ja schon naiv, aber sein kleiner Bruder setzt dem die Krone auf. Eva Eriksson gibt beiden Kindern kleine Knopfaugen und blanke Gesichter, die noch nicht vom Leben gezeichnet sind. Die eng anliegenden Mützen verbergen die Haare, der jüngere Bruder trägt einen Einteiler, der den Teletubbies entlehnt wurde. Die Umgebung ist die, die wir auch durch die Augen der Kinder sehen. Die Naivität ziehen wir uns gern mit an, obwohl wir natürlich wissen, dass das Leben anders ist. Das gilt nicht etwa nur für erwachsene Betrachter, sondern auch für Kindergartenkinder ab 3 Jahre, obwohl sie die kleinen Hinterhältigkeiten der Geschichte und noch mehr der Bilder noch nicht nachvollziehen können. Aber so hat jeder seine Sicht und sein Vergnügen an einer wunderbaren Geschichte und einem wunderbaren Buch.

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en