Miriam Koch:
Keentied oder die Kunst, ins Glück zu fliegen

Hildesheim: Gerstenberg 2010

www.gerstenberg-verlag.de

ISBN 978-3-8369-5314-6
40 Seiten * 13,90 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Ein Sanderling ist ein Zugvogel, der durch seine trippelnden Schritte auffällt, mit denen er der ankommenden Welle ausweicht. Für uns sieht das so aus, als wenn er es immer eilig hätte, immer in Zeitnot wäre. „Keentied“ ist demnach ein sehr passender „sprechender Name“ für einen Sanderling, vor allem, wenn er gerade feststellte, dass sein Schwarm nicht auf ihn wartete, sondern bereits Richtung Tundra weiterflog.

Sonderling

Genauso sehen sie aus, die Vögel, die den Sandstrand suchen: weißer Körper mit grauen Flügeln, langer schwarzer Schnabel und dürre schwarze Beine, immer in Bewegung, immer ein wenig hektisch. Die Taschenuhr mit den goldenen römischen Zahlen allerdings, die Miriam Koch ihrem „Keentied“ am langen goldenen Band, das irgendwo unter dem Flügel, in der Weste sozusagen, festgemacht ist, mitgibt, erinnert den Vogel nicht nur, dass er sich beeilen muss, sie hindert ihn zugleich, pünktlich zu sein. Im schlimmen Fall verheddert sich zunächst die Uhr sogar in einem Netz eines Fischfängers, anschließend Keentied selbst.

Als weitere „running gags“ lässt die Illustratorin eine kleine Mücke sowie einen Nachrichtenzettel mitspielen, auf dem „Wir konnten nicht länger auf dich warten und sind gestartet!“ zu lesen ist. Der taucht als gefaltetes Papierboot im blau gefärbtem Meer mit den stilisierten Wellen später wieder auf. Zu Beginn nutzt sie mehrfach Fotos vom Meer als Hintergrund, bearbeitet und überzeichnet diese aber so, dass das Einfügen kaum auffällt. Ansonsten wechselt sie häufig die Perspektive, geht mal ganz dicht ran an das Geschehen oder zeigt von oben, was sich dort unten abspielt.

Ein gutes Ende mit zuvor ungedachtem Schluss rundet das absolut gelungene Buch ab.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en