Jean-Pierre Siméon & Olivier Tallec:
Gedicht für einen Goldfisch

Aus dem Französischen nachgedichtet von Franz Hohler

Hildesheim: Gerstenberg 2010

www.gerstenberg-verlag.de

ISBN 978-3-8369-5227-9
40 Seiten * 9,90 € * ab 04 Jahre

 

 

 

 

Dichter aller Zeiten haben sich Gedanken darüber gemacht, wie man ein Gedicht am besten beschreiben könne, viele mit Hilfe eines Gedichts. Hier ist der kleine Arthur auf der Suche nach einem Gedicht, ein Auftrag, den ihm seine etwas genervte Mutter augenscheinlich auftrug, damit er beschäftigt ist. Das ist er denn auch. Wir gehen zögerlich mit ihm seinen Weg.

Gemalte Fensterscheiben

Die meisten werden den Weg mit Arthur wohl nicht zu Ende gehen. Dafür ist die Geschichte nicht „spannend“ genug und der Inhalt gar nicht „aufregend“. Das Argument, dass Gedichte das normalerweise auch nicht sind, ist richtig, aber muss ein Bilderbuch das aufgreifen?

 

Arthur fragt reihum, was ein Gedicht sei, damit er das seinem Goldfisch erzählen könne, damit dieser nicht vor Langeweile sterbe. Na ja. Die Antworten der Personen und Tiere sind da schon interessanter: Beim Gedicht habe man „den Himmel auf der Zunge“, es sei „wie frisches Brot im Magen“ und man höre „das Herz der Steine schlagen“. Arthurs Antworten sind je gleich: „Ach so? Gut, gut.“

 

Und was machen die Bilder? Sie müssen die nicht ganz starke Geschichte ja begleiten – und das machen sie auch. Nur selten blitzt auf, dass Olivier Tallec nicht nur Schalk im Nacken hat, sondern auch tolle Ideen für Bilder: Ein Akkordeon spielender Seemann sitzt breitbeinig auf einem Stuhl, der auf einem roten Goldfisch steht, der so groß ist wie ein Walfisch. Später sitzt er genau so vor einem roten Haus mit lichtgelben Fenstern, während zwei Paare mit Stiefeln und Mänteln bekleidet im Schnee tanzen. Einen echten Walfisch zeichnet er auch noch, auf dessen farbiger Fontäne die Kinder rutschen, während Poseidon aus einem offenen Fenster tobt und zu schimpfen scheint. Sein Dreizack hat den roten Goldfisch aufgespießt.

 

Aber auch seine Bilder halten nicht durchgängig die Qualität, die ein gutes Bilderbuch ausmachen.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en