Robert Camenzind & Vanessa Riecke:
Rutzlibutz und Schwarznase

Zürich: Monster Salad 2010

www.rutzlibutz.com

ISBN 978-3-033-02181-5
28 Seiten * 16,00 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Die Geschichte von der (guten) Hexe und dem (bösen) Zauberer, der die beiden Kinder entführt, weil er sie gegen die Hexe tauschen will. Da machen die Leute vom Dorf aber nicht mit. Gemeinsam mit der Hexe geht es gegen das Böse – und das Gute siegt (selbstverständlich). – Leider eine nicht ganz schlüssige Geschichte.

Hexe und Zauberer

Eine sehr sympathische Hexe Rutzlibutz ist Vanessa Riecke eingefallen: Aus dem ausgeschnittenen und aufgeklebten Kleid aus Fischgrätmuster schaut eine weiße Spitze am Ärmel und am Saum heraus, die schwarzen Stiefel sind auswärts gestellt und laufen richtig spitz zu, ohne dabei bedrohlich zu wirken, denn über allem ist ein freundliches Gesicht mit großer Brille, lustig abstehenden und kaum zu bändigenden grauen Haaren, und den Strauchbesen hält sie mit nur vier Fingern, der Daumen ist angelegt. So kann man den Besen auch nicht drohend schwingen. Alles strahlt Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft aus – ganz im Gegenteil vom Zauberer Schwarznase in seiner Burg aus Eis: Grimmig stehen seine Augenbrauen und verstärken seine riesige schwarze Nase, die über den Mund hinausragt. Der Mund selbst kann, so wie er angelegt ist, wohl gar nicht lächeln. Er ist gemacht für einen richtigen Griesgram.

Soweit die schöne Anlage. Leider wird daraus nicht ein stimmiges Ganzes. Die Personen, ja die Teile des Dorfes bleiben je isoliert, lustige Einzelheiten außerhalb der Geschichte bleiben da fast unbemerkt (auf dem Kirchdach ein Schaf (!) – der Pastor will es mit dem Klingelbeutel als Sprungtuch retten / das junge Huhn balanciert auf einem weißen Hühnerei, was den Fuchs aber nicht sehr interessiert / die Begleittiere von Rutzlibutz sind Eichhörnchen, die entweder stricken, verliebt nebeneinander hocken oder ein Ei im Eierbecher mit Salz und Löffel essen).

Und spätestens hier müssen wir auch auf die Geschichte eingehen, die voller Brüche und überhaupt nicht logisch aufgebaut ist. „Kinder sind keine Idioten“ soll Sendak einmal gesagt haben. Fünf Erwachsene und ein großer Hund auf einem langen Besenstil, vier davon im Fliegen unerfahren?! Wenn man da man nicht herunterfallen m u s s. Und dann, mitten in Grönland, in der kältesten Eiswüste jenseits allen Lebens, da wird ein Föhn in die Steckdose gesteckt?! Und dazu noch einer, der die Eisburg zum Schmelzen bringt!? Und dann auch noch den bösen Zauberer so unter Strom setzt, dass dieser noch Jammern und Schreien und sich ergeben kann und selbstverständlich –wie unter jeder schlimmen Folter – alles verspricht, was die anderen nur hören wollen!? Keine angenehme Botschaft.

Dass trotz der Technik des Ausschneidens und Aufklebens etwas Zusammengehöriges entstehen kann, zeigt Vanessa Riecke auf dem Bild, als die Dorfbewohner gemeinsam den Entführerbrief lesen. Wunderbar, wie sich zwei Köpfe zum Brief hin verrenken, fast neben die Körper gesetzt sind und – noch einmal gesteigert – die junge Frau auf ein Bein gestellt wird, sodass sie eine derartige Schieflage erhält, die gerade noch vor dem Umfallen haltmacht.

Zu wünschen bleibt: eine stimmige(re) Geschichte und ein Lektorat, das auf ebensolche Bilder achtet. Dann kommt das große Talent der Illustratorin auch richtig zur Geltung.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en