Michael Roher:
Fridolin Franse frisiert

Wien: Picus 2010

www.picus.at

ISBN 978-3-85452-152-5
32 Seiten * 16,90 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Die Frau, die zur Frisurstube von Fridolin Franse kommt, sieht nicht besonders schön aus mit ihrem dicken Kopf und Körper und den zerbrechlich wirkenden Händen und Beinen, aber ihre Haare! Schon jetzt, so in Natur, ein einziger Traum, sehr, sehr lang und fließend. Und was Fridolin erst daraus fertigt!

Revolver

Der Text ist sehr prosaisch, denn Fridolin macht aus dem Haar das, was man beim Friseur so macht: Kämmen, Waschen, Shampoonieren, Spülen, Schneiden, Färben, Einwirken lassen, Auswaschen, Eindrehen, Föhnen. Fertig. So geht’s halt zu beim (Damen-) Friseur. Bei der Erfindung von Michael Roher kommt aber noch etwas anderes hinzu – und das in gehöriger Portion, nämlich Fantasie.

Er zeichnet die langen Haare so, wie es Klaus Voormann damals auf dem Schallplattencover „Revolver“ machte, ein Album der Beatles. Da sind die vier Musiker abgebildet, und aus den Haarsträhnen schauen sie per Collage vielfach noch mehrfach heraus. Hier sind es nicht die Beatles, die herausschauen und „mitmachen“ beim Frisieren, sondern Kühe, Drachen, Hühner, Teekannen Skiläufer, Schlösser und ein Fußball, eine Tropenexpedition, Wasserskifahrer, Eisverkäufer, Gruselschloss und Koch, Eskimo und fliegender Teppich, Näherin und Charlie Chaplin, Hundertwasser und van Gogh und René Magrittes berühmte Pfeife als Stiftehalter, Marilyn Monroe und eine strickende Mona Lisa, Sigmund Freud, Gustav Klimt, Munchs „Schrei“, ein Stelzenläufer und eine Mumie als Kunstwerk von Christo, Zauberwürfel und Kaninchen im Zylinder … Irgendwann muss die Aufzählung hier natürlich aufhören, im Buch geht es noch lange weiter – so lange, bis man eine Pause braucht oder weiter blättern will.

Die Haare und die meisten Gegenstände, Tiere, Menschen sind nicht gefärbt, nur der Haarkünstler selbst ist in gedeckten Farben gehalten, wobei sein Gesicht, das aus einem Kästchenpapier gestaltet wurde, schon „sehr künstlerisch“ wirkt. Auf dem Kopf trägt er – je nach Arbeitsgang – ein Kleinaquarium mit Fisch, einen Piratenzweispitz, eine Gurke oder eine Katze.

Ein schönes Gewimmel ist da in den Haaren, ganz viel zu gucken und zu erzählen. Auch mehrfach.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en