Marjaleena Lembcke & Verena Hochleitner:
Hasenlenz

St. Pölten: Nilpferd in Residenz 2010

www.residenzverlag.at

ISBN 978-3-7017-2066-8
48 Seiten * 13,90 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Der Hase Hassu fühlt, dass heute ein besonderer Tag für ihn sein wird. Das mache der Lenz, sagt seine Mutter, und entfernt sich. Hassu macht sich auf die Suche nach jemandem, der ihm sagen kann, was Mutter damit meint. Letztlich merkt er, dass die Antwort in ihm selbst steckt.

Von Mittag weht es lau

Die Wiederholung der Frage bei verschiedenen Personen oder Tieren ist ein beliebtes Mittel des Bilderbuchs. Sogleich wird die Geschichte bekannt und bleibt doch neu, die Antworten fallen immer anders aus und lösen doch nicht das Problem. Geht hier auch nicht, denn es dreht sich ja darum, dass der junge Hase offensichtlich zum ersten Mal in seinem Leben „Frühlingsgefühle“ hat, tief im Innern also auf der Suche nach dem anderen Geschlecht ist.

Marjaleena Lembcke hat schon viele sehr gute Geschichten geschrieben, stets stimmig und oft unter die Haut gehend. Diese gehört leider nicht dazu, zu dünn ist die Grundvoraussetzung, lässt zu viele Fragen zur Ausgangslage offen. Die Antworten der befragten Tiere gleichen diesen Mangel nicht aus. Sie sind weder witzig noch helfen sie, bewegen sich nicht einmal kurz in andere Richtungen oder laden gar zum Mit- oder Nachdenken ein.

 

Als ob sie das wettmachen möchte, fallen der Illustratorin Verena Hochleitner Bilder ein, die zeitweise ins Absurde abgleiten. Ihre Tiere sind in menschlicher Kleidung und Umgebung, Hasen fahren Fahrrad, Schweine spielen Gitarre und – vielleicht weil sie „Moby Dick“ neben das Bett von Hassu zeichnete – fliegen Fische und strandet ein Dampfschiff im Baum mit den fünfblättrigen rosafarbenen Blüten. Mutter Hase hängt frisch gewaschene weiße Unterwäsche in den Baum, eine Giraffe schaut kopfüber von oben ins Bild, wie die Illustratorin später noch andere exotische Tiere mehr oder weniger unmotiviert als Skizzen in ihre Bilder einbaut: Seehunde, Hummer im Baum, Krokodil, Affe, Elefant, Bär, Chamäleon. Die ostfriesische Schwarzbunte (Kuh) zeichnet sie mit Seppelhut und benutzt den Kartoffel(?)druck, um Text als gestalterisches Mittel einzusetzen: RRÜÜLLPS oder aN anderen Orten: WAU WAU, 2 WORTE oder RUHE.

Dass die Größenverhältnisse zwischen den Tieren nicht stimmen und die Tiere selbst eher Karikaturen sind, würde vielleicht nicht einmal stören, wenn sie denn Sympathieträger wären oder die Art der Zeichnung der Geschichte beitrügen.

 

Ein ungewöhnliches (und wichtiges, wenn auch – noch – nicht unbedingt für die Zielgruppe) Thema wird leider gar nicht adäquat umgesetzt.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en