Erhard Dietl & Reinhard Michl:
Der krumme Hund

Hildesheim: Gerstenberg 2010

www.gerstenberg-verlag.de

ISBN 978-3-8369-2616-4
48 Seiten * 12,90 € * ab 14 Jahre

 

 

 

 

Tiere müssen in unserem Sprachgebrauch oft genug herhalten, um unser Fehlverhalten treffend zu beschreiben: Du arme Sau, du toller Hecht, du blindes Huhn, du Lustmolch. Einige Tiere müssen für verschiedene Adjektive herhalten (die Sau ist auch noch dreckig und sie rast auf Pisten) und der Schweineigel ist sogar zwei. Ganz freche Bilder dazu, die auch zeigen, was ein Lustmolch ist.

Fettmops

Ein tolles Buch, fürwahr. Sowohl Autor als auch Zeichner zeigen, was sie können. Und sie hatten offensichtlich viel Spaß bei ihrer Arbeit. Gleich dem ersten Tier, dem Hund, gibt Dietl neun verschiedene Adjektive, von faul über feige zu stur. Und was sehen wir? Ein Couchpotatoe in Jogginghose und einem Hemd, aus dem der fette Körper quillt, die Fernbedienung in der einen, die Bierdose in der anderen Hand. Reste einer Pizza auf dem kleinen Tisch, dazu Nüsse, Zigarettenschachtel, leere Weinflasche und eine zweite geöffnete Dose Bier. Im Hintergrund das dreckige Geschirr im Waschbecken, im Hintergrund an der Wand die anderen Interessen: das Bild einer nackten Frau und ein Fußballplakat. Immerhin ist das Biedermeiersofa von guter Qualität, auch wenn eine Sprungfeder das Gewicht des faulen Lumpenhundes nicht aushielt.

Allein Sex ist Thema des tollen Hechts mit der Goldkette und der goldenen Uhr und dem Sektkelch und dem überhängenden Bauch am Swimmingpool, der der flotten Biene Avancen macht. Sie trägt zur Teufelsfrisur Bikini, schwarz-gelb gestreift.

 

So geht es Tier um Tier, immer gereimt mit möglichst kurzen Versen, und Text und Bild, die nehmen sich nicht nur nichts, die geben sich gegenseitig. Wären beide Fußballspieler, so würde man sagen, dass sie sich gegenseitig die Bälle zuspielten.

 

Böse. Witzig. Entlarvend (die Larve, ein „Tier“, das übrigens fehlt).

 

Wie kommt es aus der Bilderbuchecke für (Klein-)Kinder in das Regal für Erwachsene?

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en