Brüder Grimm & Anastassija Archipowa:
Schneeweißchen und Rosenrot

Esslingen: Esslinger 2010

www.esslinger-verlag.de

ISBN 978-3-480-22379-4
28 Seiten * 15,00 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Die Geschichte der beiden gottesfürchtigen und lieben Schwestern, die dem undankbaren Zwerg auch ein zweites und sogar ein drittes Mal helfen. Letztlich werden sie – und ihre brave Mutter auch – belohnt. Ganz wunderbare Bilder, die vor allem mit dem Rot-Grün-Komplement spielen und ansonsten so sauber und rein sind, wie die Charaktere der beiden Schwestern. So machen Märchen auch heute noch Freude.

Zauberhaft

Die eine trägt ein rotes, die andere ein grünes Kleid mit weitem Rock, der bis fast auf den Boden reicht. Unter dem Ausschnitt und in raffinierten Falten der Ärmel schaut blütenweiße Unterkleidung hervor, die langen Haare sind züchtig zusammengebunden. Obwohl sich ihre Charaktere deutlich unterscheiden, so sind sie doch beide Teil eines Ganzen, zu der auch ihre Mutter, eine arme Witwe, gehört. Sie leben mit und in der Natur, das Wort „Unschuld“ trifft wohl am besten ihre Grundhaltung. So lassen sie auch den Bären in ihr Haus an den warmen Herd und retten, wie es sich in Märchen gehört, drei Mal dem undankbaren und raffgierigen Zwerg das Leben. Und dann kommt auch noch ein Prinz ins Spiel, der auch noch einen Bruder für die Schwester hat, damit Doppelhochzeit gefeiert werden kann. Und die (Schwieger-)Mutter darf auch mit.

 

Archipowa zeichnet naturalistisch. Ihr Bär ist wirklich ein Braunbär, der lange weiße Bart des Gnoms besteht aus vielen langen weißen Haaren, die Schere mit den auf alte Art geformten Fingerösen liegt in der geübten Hand – mal in der mit dem grünen Ärmel, mal in der mit dem roten.

So sauber und klar wie die Charaktere der beiden Schwestern (und der Mutter), so sauber und klar und freundlich werden die beiden Schwestern gezeichnet. Auf fast jedem Bild erscheint das Weiß als Sinnbild der Unschuld, aber auch der zarte Rot-Grün-Kontrast hält die Bilder in der Balance zwischen Ruhe und Spannung. Nie begnügen sich die Bilder mit einer Seite, beanspruchen von der Textseite oft die Hälfte dazu. Dort werden die Nebenfiguren gezeichnet, gewinnen Ungewichte einen Halt, wird die Handlung weitergetrieben. Ganz wunderbar, unspektakulär und sehr präsent.

 

P. S. Wer sich daran stört, dass „Sommervögel“ von Rosenrot gefangen werden, dennoch aber alle Tiere, auch die Vögel, mit den beiden Schwestern sehr intim sind, für den ist der Hinweis, es handelt sich hierbei um Schmetterlinge, sicher hilfreich.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en