Antonio Santos & Eduardo Galeano:
Geschichte von der Auferstehung des Papageis

Aus dem Spanischen von Carina von Enzenberg

Zürich: Bajazzo 2010

www.bajazzoverlag.ch

ISBN 978-3-905871-12-8
24 Seiten * 14,90 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Wer in die heiße Suppe fällt und ertrinkt, der lebt nicht mehr. Nie mehr. Wenn aber Mädchen, Mauer, Orange, Baum, Wind, Himmel, Sprache und Töpfer ihre Trauer bündeln, dann sind auch Wunder möglich.
Eine ungewöhnliche Geschichte sehr ungewöhnlich bebildert.

Von Grün bis Bunt

Ziemlich grobe Holzfiguren ziemlich unordentlich gefärbt, zusammen geleimt, übereinander gelegt, mit Bindfäden verbunden, arrangiert, fotografiert. Der Papagei zu Beginn ist grün wie ein Vogel, der sich im tropischen Regenwald verbergen muss. Hier aber hockt er über dem Rand des Topfes auf dem Tisch. Dass er herein fiel in die heißt Suppe, erfahren wir nur vom Text. Von dem aber erfahren wir nicht, warum dieses Unglück so viel Trauer bei so vielen unterschiedlichen „Wesen“ auslöst. In der Tat ist es zu Beginn das Mädchen, seine ehemalige Freundin, die mit ihren Tränen die Kette auslöst.

Doch wie sieht sie aus, diese Freundin? Ein starres Stück Holz, aus einer Platte gesägt, Kopf im Profil von links und nach oben geöffnete Hände vor dem Gesicht, nachträglich „naiv“ bemalt: ein großes Auge, eine gestrichelte leicht gebogene Linie als Tränenspur, lange, gewellte Haare, Muster einer Bluse. Kleine Versatzstücke, zwei Dreiecke als Brüste, ein grünes Blatt an der Orange und ein anderes an den dicken schwarzen Zweigen eines Holzbrettbaumes, ein weißer Fingernagel an der dunklen Hand des Töpfers – die ganze Szenerie ist so unwirklich wie die Geschichte, und genau damit macht sie die Erzählung lebendig, macht sie wirklich wahr.

Wie sonst kommt es denn, dass der zum Leben erweckte Papagei nicht mehr nur grün ist, sondern alle Farben der Trauernden trägt?

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en