Hans Christian Andersen & Stella Dreis:
Die Prinzessin auf der Erbse

Stuttgart: Thienemann 2009

www.thienemann.de

ISBN 978-3-522-43549-9
24 Seiten * 12,90 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Sonja Hartl hat das ohnehin ungewöhnlich kurze Märchen von Andersen noch einmal bis auf die Rippen, dabei aber sehr treffend und stimmig reduziert. Der Verknappung des Textes stehen die ausgesprochen üppigen Bilder gegenüber, überquellend und mit ganz vielen Details versetzt. Eine sehr gelungene Adaption.

Verwöhnte Göre

Es sind nur acht doppelseitige Bilder im je gleichen überbordenden Stil gezeichnet, noch am ehesten mit Henri Rousseaus Dschungelbildern vergleichbar. Der Prinz aus einer grünen großblättrigen Pflanzenwelt herausragend, unterwegs, eine Prinzessin zu finden, und dazu noch eine, die ihm gefällt. Eine Fröschin bietet sich an, eine Anglerin, eine, die ihm mit Strickwerk umgarnen will, eine andere glänzt mit Schmuck und riesigen Ringen, einer anderen mag man gar nicht glauben, dass es ein ganzer Vogelkäfig inklusive Tieren ist, den sie als Hut trägt, oben drauf auch noch ein kleines Krönchen.

Der Prinz kommt allerdings auch nicht viel besser weg: ganz lange spitze Nase, fast verfilzte rote Haare, Überbiss, aber energisches Kinn, nicht unbedingt d e r Liebling aller Frauen. Und dann die Prinzessin, die die Erbse spüren wird in der Nacht, obwohl die unter zwanzig Matratzen und noch zwanzig Daunenbetten verborgen liegt: Ihre Wahnsinns lange Haare wallen in großen Strähnen und könnten das riesige weiße Kleid glatt ersetzen, wirkt aber auf diesem und inmitten der plustrigen Daunenbetten wie Feuer, wie Muskelverflechtungen, kräftig wie das Leben selbst.

Sehr erstaunlich, dass dies Mädchen sich vom Prinzen auswählen lässt, ohne dass sie selbst auch nur einen Ton dazu sagt. Er sucht eine Prinzessin, eine echte. Er findet sie. Er nimmt sie zur Frau. Punkt.

Stella Dreis zeichnet eine andere Person. Der Prinz wird schon merken, wer wirklich die Hosen anhat.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en