Gesa & Gerhard Glück:
Ich mag keine Suppe

Oldenburg: Lappan 2009

www.lappan.de

ISBN 978-3-8303-1145-4
36 Seiten * 14,95 € * ab 04 Jahre

 

 

 

 

 

Auch wenn der Junge nicht so aussieht, aber er heißt Kaspar, ist eher langweilig wie sein Vater. Aber dass gerade ihm so etwas passiert! Schwimmt in seiner Suppe doch ein kleines grünes U-Boot! Und das bildet er sich nicht etwa ein, nein, die Besatzung lernt er nämlich kurz darauf auch noch kennen. Und die möchte zurück nach Minimania, einem sehr kleinen Inselstaat.

Nach Hause

Wir kennen das ja: Iss deine Suppe auf, dann bekommst du auch leckeren Nachtisch. Nein, vorher darfst du auch nicht aufstehen vom Tisch. Und beeil dich, ich muss wieder in mein Arbeitszimmer! Und ganz plötzlich wird alles ganz anders. Ein U-Boot-Sehrohr schaut aus Kaspars Suppe – und es bewegt sich! So schnell hat Kaspar wohl noch nie ausgelöffelt. Gerade noch rechtzeitig kann er das U-Boot mit seinem Löffel instinktiv vor seinem Vater verbergen. Und er traut seinen Augen kaum: Aus dem U-Boot steigt der sehr, sehr kleine Kapitän Boota aus. Ihm folgen Frau Dr. Terralinde und Dr. Marelo sowie die beiden Matrosen namens Ohnenamen und Namenlos. Die Verständigung gelingt, nachdem Kaspar den Kapitän auf seiner Hand in Ohrnähe trägt und Boota mit trichterförmig gehaltenen Händen laut ruft.

Die kleinen Fremden haben sich verfahren, wie und warum sie in den Suppenteller gelangten, wissen sie selbst nicht. Aber dass sie zurück wollen in ihre Heimat, das ist ihnen klar. Und dass Kaspar, der uns diese Geschichte erzählt, ihnen dabei helfen muss und kann und es letztlich auch tut, das ist ebenso klar.

Eine ganz ungewöhnliche Geschichte und ebensolche ganzseitige Bilder, die mit Recht den halben Platz beanspruchen. Berliner Mietwohnung, vielleicht sogar Hinterhof. Selbst tagsüber brennt die Lampe über dem Esstisch. Die Wohnung wie die Suppe und das U-Boot: Grün ist die vorherrschende Farbe, aufgelockert durch die rötlichen Haare von Kaspar und den roten Tellerrand. Komplementärfarbe eben. Gegen Ende geraten die Bilder immer bläulicher, so wie es Kapitänsjacke und Himmel und Weite und Freiheit symbolisieren.

Ein kleiner Wermutstropfen nur, und der betrifft ausgerechnet das Titelbild und den Titel, und beide sind entscheidend für Weiterlesen und Kauf. Der Junge mit dem Schatten im zornigen, trotzigen Gesicht erscheint – vor allem zusammen mit dem Titel – als wäre diese Geschichte eine wie die von der gleichnamige Figur aus dem Struwwelpeter. Weit gefehlt!

Wenn denn diese Rezension ein wenig helfen kann, dieses Manko auszugleichen, dann soll sie es ganz bestimmt auch machen, denn sowohl die Geschichte als auch die Illustrationen haben es wahrhaftig verdient.

 

Sehr zu empfehlen!

 

auf der Auswahlliste zum LesePeter April 2010

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en