Jakob Wegelius:
Sally Jones
Eine Weltreise in Bildern

Aus dem Schwedischen von Gabriele Haefs

Hildesheim: Gerstenberg 2009

www.gerstenberg-verlag.de

ISBN 978-3-8369-5259-0
108 Seiten * 16,90 € * ab 06 Jahre

 

 

 

 

Eine Lebensgeschichte voller Tragik und doch so, dass man am Ende des Buches sagen kann, dass sich alles zusammenfügte, anders hätte es gar nicht verlaufen dürfen. Wir sprechen von Sally Jones, und das ist der Name einer Gorilladame, die nicht nur lesen und schreiben lernte, sondern auch die Bedienung von Maschinen und das Lenken eines Autos. Eine sehr gelungene Ergänzung von Bild und Text, deren Zusammentreffen einen Großteil des Humors ausmachen.

Ein Leben

Wir befinden uns in Zaire, das zur damaligen Zeit noch „Belgisch Kongo“ hieß. Ein junge Gorilla-Mädchen wird gefangen genommen und gelangt so nach Istanbul. Dort gerät sie in die Hände einer Dame, die ihn lehrt, wie man erfolgreich einbricht – das Klettern kann Sally sowieso. Über den Zoo in Istanbul, einer Zwischenfreundschaft mit einem Urang-Utan und einem Gastspiel in einem Wanderzirkus, führt in sein Lebensweg nach Borneo, wo er erkennen muss, dass nicht jede Freundschaft ewig hält und Dank nur ein kurzes Wort ist. Inzwischen kann Sally alles das, was auch Menschen können – und mehr. Aber sie ist einsam, und das Leben meint es meist nicht gut mit ihr. Immer wieder Gefängnis, Ketten, Tränen. Das Leben macht Sally hart. Aber letztlich musste es wohl so sein. Der Chief, lange Zeit Maschinist auf der Otago, heißt eigentlich Koskela. Er wird die Zukunft jenseits der Geschichte im Buch sein für Sally – und umgekehrt. Wir wünschen den beiden etwas mehr Kontinuität.

 

Bild und Text ergänzen sich auf höchst köstliche Art. Wenn berichtet wird, dass der Reporter „spurlos verschwunden“ blieb, so zeigt die Zeichnung, wo er jetzt ist: im Magen eines riesigen Krokodils, den Hut hat es nicht mit verspeist. Wenn die Verlobte ob des Geschenks nicht nur enttäuscht ist (sie hatte Diamanten in einem Schrein aus Elfenbein erwartet, stattdessen erhält sie ein Gorilla-Baby), so sehen wir, warum: Der kleine Gorilla beißt ihr aus lauter Angst in den Finger. Wegelius weiß auch, wo er sich mit seiner Geschichte befindet, denn auch die Einzelheiten seiner Bilder passen. Wir sehen Frau Schulz auf der Uferseite vor dem Pera Palas Hotel, hinter ihr das Goldene Horn die Altstadt Istanbuls mit den berühmten Moscheen.

 

So wie der Inhalt ungewöhnlich ist, so auch das Format (27 x 17 cm) wie der Umfang (mehr als 100 Seiten). Der Autor schöpft aus verschiedenen Quellen und zitiert diese auch bei Gelegenheit. Zu nennen sind E. A. Poes „Mord in der Rue Morgue“ und die „African Queen“ (Film mit Humphrey Bogart und Katherine Hepburn), Tarzan / Greystoke und die britische „Royal Geographic Society“ bekommen Spott ab. Kafkas „Bericht für eine Akademie“ darf gar nicht vergessen werden. Entstanden ist dennoch etwas ganz Eigenes, jeder Verdacht des Plagiats oder der „Intertextualität“ muss entschieden begegnet werden.

 

Der Verlag spricht von einem wohl wegen der Länge und des Textanteils von einem Kinderbuch, aber man darf es getrost auch als Bilderbuch betrachten. In wunderbar „altmodischem“ Stil zeichnet Wegelius, gestaltet die Seiten oft mit einem Rahmen, dem er Teilbilder mitgibt. Die Texte stehen oft in einem Extrarahmen oder vor nur farblich gestaltetem Untergrund (man muss an verschiedene Sprachen denken), gestaltete Landkarten zeigen, wo auf der Welt wir uns gerade befinden. Immerhin geht die Reise „über alle sieben Meere“.

 

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Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en