Koos Meinderts & Harrie Jekkers & Piet Grobler:
Ballade vom Tod

Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf

Hildesheim: Gerstenberg 2009

www.gerstenberg-verlag.de

ISBN 978-3-8369-5258-3
32 Seiten * 12,90 € * ab 04 Jahre

 

 

 

 

Die filigranen, fröhlich frechen Zeichnungen stehen im krassen Gegensatz zu dem, was wir mit dem Tod verbinden. Und in der Tat gelingt es der sehr illustren Gesellschaft, die Figur Tod einzusperren, sodass er sein Handwerk nicht mehr ausführen kann. Doch was bedeutet das für die „Menschen“, die nun doch auf ewig leben? Und: Wie sieht er wirklich aus, der Tod?

Der Tod ist tot

Den König plagt die Furcht vor dem Tod, und die Befragung seiner Weisen hilft ihm nicht wirklich weiter. Dann kommt ihm die (nicht unbedingt neue) Idee, den Tod eine Falle zu stellen, den Mann mit der Sense einzusperren unter einer Glasglocke. L. E. Watkin verbannte ihn 1937 auf einen Apfelbaum (vgl. http://en.wikipedia.org/wiki/On_Borrowed_Time – immer wieder als Theaterstück gespielt, auch verfilmt). Die Folgen sind dort wie hier die gleichen. Das Leben ist so viel schöner ohne den Tod! Niemand hat mehr Angst, niemand muss sein geliebtes Jetzt verlassen, niemand einen Freund beklagen.

Selbstverständlich ist das nur die eine Sicht, denn jeder schwer Verletzte bleibt bei seinen Schmerzen, jeder Alte merkt mehr und mehr die Last der Jahre, jeder Ort vermeldet absolute Übervölkerung. Wie im o.g. Buch / Theaterstück kommt auch hier die Einsicht, dass der Tod etwas von Gnade hat, von Erfüllung, von der anderen Seite der Medaille. Und der König selbst kann jetzt loslassen und dem Tod folgen. Wir müssen mindestens zweimal hinschauen, wer das denn ist, der ihn mitnimmt. Wir blättern zurück zur Glasglocke, und wir erkennen ihn wieder.

Einen schönen Scherz hat er uns da unterschoben, der Illustrator Piet Grobler. Und wer seine Illustrationen bisher eher nebenbei betrachtete und ganz der Geschichte folgte, der sieht, dass viele seiner Figuren voller Liebe und zugleich mit kleiner Hinterhältigkeit gestaltet wurden. Alle wirken luftig, fröhlich, aber einer hat ein kleines Rad statt eines Beines, statt Personen zeichnet er Tiere, gibt ihnen Charakter-Eigenschaften mit, macht die „Weisen“ lächerlich und auch, dass der König sich offensichtlich lange nicht bewegte (eine Spinne hängt an seiner Krone), aber er kann brüllen wie ein Feldwebel und sein Volk Dinge tun, die man sonst nur in Filmen macht, wenn die Katastrophe naht und das Leben nur noch wenige Zeit älter werden wird: Die Katze entfernt ihren BH, das Schwein schießt auf das Krokodil, Raben greifen das Wildschwein an, einige betrinken sich sinnlos.

Etwas später werden die Taten weniger spektakulär, aber dennoch nicht weniger drastisch. Das Land wird zu eng, man drängt die Schwachen ab ins Meer. Ertrinken kann niemand, aber sehr unglückliche Lebensbedingungen erhalten schon. Die Farbigkeit, die immer für Vielfältigkeit spricht, führt uns wiederum auf’s Glatteis, denn statt pralles Leben wird der Wunsch nach dem Tod vorbereitet.

 

Sehr gut gestaltet und „heimtückisch“ nachhaltig.

 

 

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Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en