Veronica Ferres & Julia Ginsbach:
Fass mich nicht an!

München: cbj 2009

www.cbj-verlag.de

ISBN 978-3-570-13639-3
28 Seiten * 13,95 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Hier werden die Dinge beim Namen genannt: Der große Junge möchte in der Umkleidekabine des Schwimmbads, dass Jonas und er die Länge ihrer Pimmel vergleichen. Jonas ist vielleicht acht Jahre, der andere Junge bestimmt doppelt so alt, aber Jonas weiß, was er bestimmt NICHT WILL.

Nein heißt nein

Alles richtig gemacht, Jonas! Laut und deutlich ruft Jonas, von dem viel älteren Ricky bedrängt wird. „Fass mich nicht an! Ich will das nicht!“ schreit er, als er Stimmen hinter der Tür vernimmt, die Ricky vor ihm geschlossen hält. Erst hat der ihn freundlich angesprochen, Süßigkeiten angeboten, das Thema des Gesprächs aber schnell auf Mädchen und Sexualität gebracht. Das ist Jonas alles sehr unangenehm, aber als er sich auch noch nackt zeigen soll, kommt Angst in ihm auf, die Ricky verstärkt, indem er ihm droht: „Wehe, du erzählst das jemandem …“ Gut, dass er einen Freund hat, dem er sich dann doch öffnen kann. Und mit Vincent zusammen berichtet Jonas doch seiner Mutter von dem Vorfall, die alles Weitere in die Wege leitet. Da muss gegengehalten werden!

Veronica Ferres gibt ihren bekannten Namen einer guten Sache. Zusammen mit „power-child.de“ wird das Ziel genannt: Stärkung des Selbstbewusstseins, Deutlichmachen von Übergriffen. Dass es sich bei dieser Geschichte nicht um ein Mädchen und einen perversen Mann handelt, tut der Geschichte und dem Anliegen gut. Die „Vergewaltigung“ beginnt bereits viel früher, und Jungen sind genauso gefährdet wie Mädchen, Jungen sind genauso als Täter denkbar wie andere Personen.

 

Bei all diesen heeren Zielen ist es natürlich schwierig, auch Kritik zu üben. Das Bilderbuch ist deutlich textlastig und die Illustrationen nicht sehr innovativ, vielleicht eine Reminiszenz an das, was als publikumswirksam vermutet wird. Dem Anliegen tut das keinen Abbruch.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en