Kenneth Grahame:
Der Wind in den Weiden

Illustriert von Inga Moore
Aus dem Englischen von Michael Stehle

Stuttgart: Urachhaus 2009

www.urachhaus.com

ISBN 978-3-8251-7683-9
184 Seiten * 22,90 € * ab 08 J

 

 

 

 

Die Geschichte ist über 100 Jahre alt, der Autor seit mehr als 70 Jahren tot, und doch ist sie sehr lebendig mit einer Sehnsucht nach einer stillen und überschaubaren Welt. Das liegt nicht zuletzt an den wunderbaren Bildern, an denen Inga Moore nach eigenen Angaben mehr als 2 Jahre gearbeitet hat. Man bewundert die Detailarbeit und glaubt ihr sofort. Wir befinden uns im ländlichen England, unsere Helden sind vier kleine Tiere.

Heile Welt

 

Kenneth Grahame öffnet in neun Kapiteln eine heile Welt längs eines mäandernden Flusses in lieblicher Landschaft, in der sich die Weiden fast bis ins Wasser trauen und am Rand Schlüsselblume und Löwenzahn auf der Weide blühen dürfen. Hier leben der Maulwurf und die Wasserratte, der Dachs und der Kröterich. Hier wird gemächlich gerudert und ein Picknick abgehalten, hier kippt das Boot und der Maulwurf wird vor dem sicheren Tod durch Ertrinken gerettet.

Auch wenn die Geschichten von Tieren handeln, so sind doch die typischen Bewohner vielleicht die in den Kent-Downs Englands oder längs des Avon zwischen Warwick und Stratford „in den guten alten Zeiten“. Die Kröte besitzt das große Landgut und bewohnt das schlossähnliche Landhaus. Die schmalen Straßen sind mit Hecken gesäumt, auf dem der Pferdewagen fast die ganze Breite einnimmt. Aber wir haben auch schon die ersten Automobile und die Eisenbahn verbindet unsere Gegend mit dem Rest der Welt. Die ist aber für unseren Helden viel zu groß, erleben sie doch schon in ihrer Heimat ein Abenteuer nach dem anderen. Das kann im „Wilden Wald“ sein oder im Winter, im Haus des Dachses unter der Erde oder beim Adventssingen. Nur die Kröte schafft es in die Welt der Menschen, aber die Abenteuer dort hätten je auch leicht schief gehen können.

Und es wurde höchste Zeit, dass die Kröte zu den drei Freunden und in sein Haus zurückkommt, denn der Herrschaft der Wiesel musste unbedingt Einhalt geboten werden. Über die „ruhmreichen Heldentaten … [wurde] noch lange Zeit am Fluss und weit über seine Ufer hinaus gesprochen“.

Die wunderbaren Bilder im „altenglischen Stil“ prägen natürlich unsere Vorstellung mehr noch, als es der Text macht. Inga Moore zeichnet leicht unscharf, Striche lösen sich in viele kleine auf, Flächen wurden augenscheinlich im Nachhinein mit blassen Farben koloriert, im fast stehenden Gewässer spiegelt sich die üppige Pflanzenwelt, das Haus, das Wehr an der Wassermühle. So gar nicht britisch gibt es gar keinen Regen, die Fenster können immer offenstehen und einer kleinen angenehmen Brise Einlass geben.

Ja, wir dürfen Sehnsucht haben nach dieser heilen Welt, auch wenn es sie so nie gegeben haben wird, auch nicht, wenn wir unsere vier Tierfreunde durch Menschen ersetzen.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en