Maren Briswalter & Wilhelm Hauff:
Das kalte Herz

Stuttgart: Urachhaus 2009

www.geistesleben.com

ISBN 978-3-8251-7672-3
32 Seiten * 14,90 € * ab 04 Jahre

 

 

 

 

Das sehr moralische Märchen zeigt, dass man sich zufrieden geben kann, soll, ja: muss, was einem das Schicksal bescherte. Das glückliche Ende zeigt, dass Peter, der Sohn und Erbe des Köhlers, längst hätte so glücklich sein könnte, wie er es mit viel Glück am Ende tatsächlich ist. Ein Stein an Stelle des Herzens kann keine gute Lösung sein.

guter Zauber, böser Zauber

Sonntagskinder können sich etwas wünschen, wenn sie in der Lage sind, das Glasmännlein erfolgreich rufen zu können. Peter, der Sohn vom verstorbenen Köhler, ist so einer, aber er kann seine billigen Wünsche nicht zügeln, wünscht sich Anerkennung im Wirtshaus, Geld, Tanzvermögen. Als seine beiden Wünsche in eine Sackgasse führen, verschreibt sich Peter dem Holländer-Michel und erhält damit ein Herz aus Stein, dass er nur mit der Güte des Glasmännleins und einer List zurück erhalten kann. Und seine Liebste, die er längst hätte haben können, hat das Glasmännlein auch vor seiner Unbeherrschtheit gerettet.

 Maren Briswalters Bilder leben vor allem vom Grün der Wälder. Ganz Deutschland einst Eiche und Buche, hier aber der Schwarzwald ein einziger dichter Tannenwald, in dem die Menschen sich kleine Lichtungen schufen für ihren kleinen Lebensraum. Ihre Menschen sind ebenso ein wenig hölzern, sowohl die Glasbläser als auch die Musiker, Tänzer, Zauberer. Die roten Kniestrümpfe des Glasmännleins wie später des Peters heben sich gut gegen das helle Grün des Waldes ab, den Holländer-Michel zeichnet sie nicht unsympathisch, allein der Keller mit den vielen Einmachgläsern in den Regalen, die die Herzen der sich verkauften Menschen beinhalten, hinterlässt einen Schauer auf dem Rücken.

 

Wer jemals aus dem Ostschwarzwald über die Rheinebene Richtung Frankreich schaute, der kann das letzte Bild sehr gut nachempfinden. Da steht der immer noch junge Peter Munk mit seiner Krachledernen und den roten Strümpfen Hand in Hand mit seiner Lisbeth mit den beiden hüftlangen blonden Zöpfen und schaut nicht hinüber auf die andere Seite, sondern seiner Frau ins Gesicht, wie sie es gegengleich macht.

 Die Moral ist einerseits fragwürdig („Schuster, bleib bei deinen Leisten!“), andererseits sehr gut nachvollziehbar: „Was auch immer: Verkaufe dich nicht!“

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en