Shaun Tan:
Die Fundsache

Aus dem Englischen von Eike Schönfeld

Hamburg: Carlsen 2009

www.carlsen.de

ISBN 978-3-551-51725-8
32 Seiten * 16,90 € * ab 04 Jahre

 

 

 

 

Ein junger Mann, der sich ansonsten um seine Kronkorken-Sammlung kümmert, findet am Strand „ein Ding“, das er durch die Geschichte betreut und letztlich an einen Ort entlässt, „von dem man nichts wusste, außer man suchte danach“. Da wir nicht in der Geschichte im Buch sind und suchen können, wissen wir also auch jetzt nichts von ihm. Vom „Ding“ übrigens auch nicht. Wunderbare Bilder in einer laschen „Geschichte“.

Keine Geschichte mit wunderbaren Bildern

 

Die Messlatte liegt hoch. Wer mit zwei Büchern zugleich auf der Liste steht und mit einem davon den Deutschen Jugendliteraturpreis 2009 erhält (siehe auch: www.julim-journal.de/pdf/0103_jgdlitpreis_2009.pdf), auf dessen aktuelles Werk schaut man besonders. Der Illustrator entwickelt eine wunderbare fremde Welt, nutzt seine Möglichkeiten, indem er eine farbliche Grundstimmung schafft und dort hinein ganz viele wunderbare Bilder erschafft. Der Erzähler allerdings versagt, denn die Geschichte vom Mann, der am Strand „ein Ding“ findet, von dem auch sonst niemand Genaueres weiß, trägt nicht.

Das weiß der sehr sympathische Australier mit japanischen (?) Wurzeln offensichtlich selbst, denn er notiert (fast) am Ende des Buchs: „Das war die Geschichte. Nicht besonders tiefsinnig, aber das habe ich auch nie behauptet. Und fragt mich nicht nach der Moral.“

 

Tan stellt seine Bilder in – offensichtlich fast „antike“ – naturwissenschaftliche Blätter. Geräte werden dort vorgestellt mit ihren Maßen und ihren Funktionen als Teil von Irgendetwas. Sie sind lichtalt, verbräuntes Papier, das mit Stockflecken sich noch älter macht. Text- und Bildrechtecke mit angepasstem Rahmen also erzählen die Geschichte vom „Ding“, das sich als rotes, großes, Kaffeekannen ähnliches Objekt erweist, das jedoch diverse mit Türen verschlossene Öffnungen hat, aus denen zum Teil grüne Arme, Beine, organische Teile einer Art Oktopus ragen, sodass „das Ding“ beweglich ist.

Das alles erscheint geplant als sehr mysteriös, ist es aber letztlich nicht, wenn es sich so gar nicht „auflöst“. Kinderbücher von dieser Art gibt es „massenhaft“, die selbst Haupt-Handlungsstränge einfach nicht auflösen, nicht einmal auf Kosten der Logik.

 

Wenn einem wunderbaren Illustrator gerade keine Geschichte „anspringt“, dann ist das gar nicht schlimm. Es gibt ganz viele wunderbare kleine Geschichten. Und eine Kooperation von Erzähler und Illustrator kommt oft mehrfach gut bei den Lesern und Betrachtern an.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en