Silke Vry:
Die Tricks der Künstler - Augentäuschung

forschen ... spielen ... verstehen

München: Prestel 2009

ISBN 978-3-8270-5282-3

90 S * geb * 19,95 € * ab 12 J

 

 

 

 

Kaum haben wir uns mithilfe des Humanismus und der Aufklärung gelernt, wir sollen uns mehr auf unseren Verstand und die eigene Erfahrung verlassen, schon wird wieder infrage gestellt, ob diese selbst uns nicht „belügen“. Aufgabe der Kunst ist – auch – uns darüber zu belehren, und sie macht es mit zwinkernden Augen und immer wieder sehr überraschend.

Was ist schon wahr?

Es beginnt mit Rene Magritte. Seine Behauptung, auf seinem Bild einer Pfeife sei gar keine Pfeife, stimmt. Man soll nur mal versuchen, Tabak hineinzufüllen! Ebenso setzt er Kunst gegen die Realität, obwohl beide doch nur Farbe auf einer Leinwand sind. Den Sehtest, welche der Gegenstände Fotos seien und welche gemalt, bestehen wir nicht, zu exakt sind die gemalten.

Die andere Art der Täuschung liegt in unseren Augen, die selbst ja nicht „sehen“, sondern Bilder an das Gehirn senden. Dieses dreht die geschickten Bilder erst einmal um 180 Grad und vergleicht sie mit der Umgebung. Der Mond im Vergleich zum Haus nebenan erscheint riesengroß, am unendlichen Firmament dagegen ist er ziemlich klein, eine Farbe wirkt in einer anderen Farbumgebung ganz anders als zuvor. Paul Klee hat auch theoretisch gearbeitet, Arcimboldo hat gar andere Gegenstände genutzt, um daraus ein neues Bild aufzubauen. Andere spielen mit der Drehung, mit ersten „Wackelbildern“, mit Bewegung, mit der Umsetzung in die Wirklichkeit.
Spätestens mit dem Einzug der Perspektive in die Malerei beginnt auch das Spiel mit dieser – Escher hat es hier zur Meisterschaft gebracht. Eine Figur klettert aus dem Rahmen des Bildes, Linien schneiden sich, die es nicht tun sollten, ferne Gegenstände rücken an ganz nahe heran, manche Verzerrungen werden erst deutlich, wenn man sie optisch durch eine schräge Betrachtungsweise verkürzt, Fluchtlinien kann man sogar in der Wirklichkeit verstärken, die Anordnung ergibt ein neues Bild, konkav wird im Bild für uns immer konvex, wenn der Gegenstand in der Wirklichkeit bekannt ist, z. B. ein Gesicht.

 

Ein ausgesprochen kurzweiliges Buch, das uns immer wieder mit neuen und ganz anderen Täuschungen und Darbietungen konfrontiert. Dabei werden auch Aufgaben gestellt, deren Lösungen wir am Ende des Buches finden. Dort gibt es auch eine Reihe von Bastelanleitungen, die das Thema in der Tat in die dritte Dimension bringen sollen, werden.

 

Neben der erstaunlichen Vielseitigkeit des Themas und neben der Tatsache, dass sich Künstler aus allen Zeiten damit beschäftigten, erfahren wir ganz viel über uns selbst, stellen unser Sehverhalten direkt noch während des Lesens um und vertrauen von nun an nicht mal mehr uns selbst.

Das Buch muss unbedingt in jeder Kunst-Bücherei von Schulen der Sekundarstufe I und II stehen und kann durchaus auch im Biologieunterricht oder im Fach Werte und Normen sehr hilfreich sein.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en