Sonja Bougaeva:
Der kleine Polarforscher

Zürich: Atlantis bei Orell Füssli 2009

www.atlantis-verlag.ch

ISBN 978-3-7152-0567-0
28 Seiten * 13,90 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Das Leben eines Naturforschers kann sehr einsam sein, besonders wenn man eine einfache Aufgabe in einer Eiswüste zu erledigen hat. Unser „kleiner“ Polarforscher soll im arktischen Eis die Temperatur eines fast zugefrorenen Sees messen. Aber da gibt es noch jemanden, der sich ursprünglich auch freiwillig hier hin begab, dann aber feststellte, dass die Heimat nicht immer der Ort ist, wo man geboren wurde.

Allein im Eis

Sehr schnell begreifen wir, warum zu Beginn so viel Wert auf die überaus üppige Lebensmittelration gelegt wird. Der Hubschrauber hat nicht nur unseren Polarforscher in der Nähe des kleinen Hauses am See abgesetzt, sondern auch erhebliche Menge an Essen und Trinken.

Aber schon bald stellt unsere Hauptfigur nach der Heimkehr fest, dass jemand nicht nur sein Haus umrundete, sondern auch kräftig vom Proviant geräubert hat. So geht es eine Weile weiter, bis binnen sehr kurzer Zeit die weitere Versorgung mit Essen dramatisch wird. Und? Wer kann es sein, der mit Fell ähnlichen riesigen Schuhen Spuren hinterlässt und sich selbst mit einer karierten Decke vor der Kälte schützt? Ist es der Yeti, den wir doch im Himalaja vermuten? Nein, es ist jemand, der dort geboren wurde, den die Sehnsucht dorthin zurück zog und der nun feststellte, dass er einen Fehler beging.

 

Sonja Bougaeva gelingt die Darstellung von Kälte durch Weiß und Blau. Das kleine Haus wie den Polarforscher und die Leiter, die in das tiefe Loch bis zur Oberfläche des zugefrorenen Sees reicht, bis zum rechteckig geschlagenen Loch, das die Oberfläche des Sees aufdeckt, damit die Temperaturmessung gelingen kann. Der integrierte Text berichtet in Tagebuchform, was der Polarforscher erlebt. Jeder Text endet mit: Temperatur im See + x°, denn er ist nicht zugefroren.
Sie zeichnet, malt mit zum Teil wildem Strich, verzichtet auf die Darstellung allzu vieler Einzelheiten. Sie schafft Stimmungen und stellt ihren Polarforscher so dar, wie es der Titel nennt: klein. Er hat ja auch keine große Aufgabe. Das tägliche Ablesen eines Thermometers fordert ja nicht unbedingt ein Universitätsstudium, und unser „kleiner“ Polarforscher wird auch so gezeichnet, als sei er dem Kindesalter nicht entwachsen.

Ein schönes Buch mit einem ungewöhnlichen Inhalt und einer Moral, über die man unbedingt nachdenken soll.

 

Wenn wir – als Erwachsene oder Jugendliche natürlich – abstrahieren, dann muss man die Situation des Buches unbedingt beziehen auf Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund, die die „neue“ Heimat verabscheuen („Scheiß Deutschland!“) und die ehemalige Heimat glorifizieren. Es würde Vieles verändern, wenn man einmal zurückkehren würde, um zu verstehen und vergleichen zu können.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en