Yaxin Yang:
Der neunfarbige Hirsch

deutsche Textbearbeitung von Elisabeth Homeister

Bargteheide: Minedition 2009

www.minedition.com

ISBN 978-3-86566-095-
28 Seiten * 12,95 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Eine moralische „alte chinesische Legende“ in sehr gewöhnungsbedürftigen Bildern, die zwischen traditionellen Reispapierbildern und Pop-Art balancieren. Der Mut wird wohl leider nicht mit großem Verkauf belohnt werden. Dabei entgeht den Nichtkäufern eine gute Geschichte und – letztlich – sehr gelungene Bilder.

Kaiser mit Moral

Yang gliedert seine Geschichte sehr dezent, fast versteckt, in drei Teile. Die chinesischen Schriftzeichen werden am Ende erklärt, und erst dann beginnt man, sie zu suchen und zu realisieren. Es handelt sich um „Ich verspreche“, um „Die Ankündigung“ und letztlich um „Bitte warten“. Das allein ist selbstverständlich so nicht aussagekräftig, deshalb eine kurze Inhaltsangabe: Der neunfarbige Hirsch rettet einen Mann aus den Fluten und begehrt keinen Dank außer: Verrate nicht meinen Wohnort, was der Gerettete Tiao-da gern verspricht. Im zweiten Teil nun kommt die Frau als Verführerin ins Spiel. Die Geliebte des Kaisers nämlich bringt diesen dazu, eine hohe Belohnung für den Aufenthaltsort des neunfarbigen Hirsches auszuloben. Sie begehrt sein Fell, das ihre Schönheit noch mehr unterstreichen soll. Tiao-da wird zum Verräter, der Kaiser aber vom Hirschen überzeugt, ihn am Leben zu lassen („Bitte warten“), was die Geliebte des Kaisers zum Schwarz-ärgern bringt: ein wunderbares letztes Bild, schon außerhalb der Geschichte.

Leider wird gar nicht erklärt, warum dieser Hirsch neunfarbig sein muss und sein (offensichtlich einziger) Freund ein Hase ist. Yang gibt dem Hirschen durch die Abstufungen deutlich mehr als neun Farben, aber er sieht schon „merkwürdig“ aus: gelbe Hufe, vorn rechts einen violetten Unterschenkel, der Körper in diversen Blautönen, grüne Ohren, ein weit ausladendes rosa Geweih und rote kurze Streifen vom Auge über den Kiefer zum Maul – rot wie frisches Blut, schmal und wie schlecht aneinander gefügt, so als wäre großer Kummer sein täglicher Begleiter.
Die Menschen, soweit sie in Gruppen auftreten, zeichnet Yang fast als Karikatur, mit übertrieben dargestellten Beigaben. Sein Kaiser ist lächerlich klein, hat dagegen aber offensichtlich nicht nur ein großes Herz, sondern auch einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und große Befehlsgewalt, während seine Geliebte wie Madame Recamiére auf dem gleichnamigen Möbelstück hingeflossen liegt, imposant mit ihren Kurven und ihrer Größe. Die macht Eindruck! Der Pekinese scheint es zu bestätigen.


Worum es sich tatsächlich dreht, ist:
Ehrlichkeit,
Vertrauen,
Großmut und
(bestrafter) Verrat,
vor allem auch, dass das für alle gilt, den Untertan wie den Kaiser.

 

Schade, dass sich wohl nur wenige Menschen die Zeit und vor allem Muße nehmen werden, den Zeichnungen eine Chance zu geben – und damit auch der Geschichte selbst.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en