Barbara McClintock:
Adèle & Simon in Amerika

Aus dem Englischen von Nicola Stuart

Berlin: Jacoby & Stuart 2009

www.jacobystuart.de

ISBN 978-3-941087-59-0
36 Seiten * 12,95 € * ab 4 Jahre

 

 

 

 

Bilder mit dem Charme der 1950er Jahren, leicht braunstichig, auf schwerem Papier gedruckt. Zwei Kinder in der Fremde bei ihrer Tante, die ihnen die Schönheiten des Landes zeigen will. 12 Gegenstände, die der Junge im Lauf der Fahrt verlieren wird und die die Haltepunkte der Fahrt bilden werden. Personen, deren Kleidung eher zu Jules Vernes passt als in unsere Zeit.

USA nostalgisch

Die Legende auf der Eisenbahnkarte der USA auf dem ersten Vorsatz zeigt die Orte der 12 Stationen, die Legende auf dem Nachsatz (gleiches Bild) zeigt die Orte, an denen die Gegenstände verloren wurden. Wir reisen mit den Kindern Adèle und Simon sowie ihrer Tante Cécile von New York City über Boston und Chicago in den Mittelwesten und über New Orleans und St. Louis zurück nach Washington D. C. Simon verliert zuerst sein Tagebuch, dann den Griffelkasten, den Cowboyhut und ganz zum Schluss die Hosenträger. Während die meisten Erwachsenen auf dem Bahnhof dem verlorenen Tagebuch auf der Erde nachspüren, schauen die Kinder eher gelangweilt in die Luft, obwohl das Buch ihnen zu Füßen liegt.
Den Griffelkasten suchen wir auf der nächsten Doppelseite (er liegt auf der Brücke links, gleich zu Füßen des Mannes, der ins Wasser schaut). Dann bemerkt Adèle, dass Simon seinen Cowboyhut im Gewühle von Chicago verlor und so geht es von Bild zu Bild, von einer Doppelseite zur nächsten. Während wir (mit-) suchen, schauen wir natürlich genau auf das Bild, entdecken hier und dort Kleinigkeiten, über die wir sonst vielleicht hinweg geschaut hätten.
Auf welche Art alle Gegenstände sich wieder einfinden, schaut man am besten selbst.

 

Wir machen uns also ein Bild der USA, wie wir es uns vielleicht vor 100 Jahren gemacht hätten. Alles Böse und Dreckige bleibt außen vor, dies ist ein Amerika der Privilegierten weißen Schicht. Die Damen bewegen sich selbst im „Wilden Westen“ in langen Röcken und weißen Blusen und tragen Hüte mit großen Schleifen, die Männer sind mit Anzug und farbigem Bowler unterwegs, manchmal sieht man die Weste zwischen weißem Hemd und modisch geschwungenem Jackett. Farbige treten nur als Straßenhändler auf, Indianer gibt es gar nicht, dafür Chinesen in ihrem eigenen Viertel, die also stark mitwirkten, dass aus dem „Melting Pot“ USA eine „Salad Bowl“ wurde.

In einem Anhang mit 14 Annotationen werden Teile der Bilder sowie einige Einzelheiten beschrieben („Die RMS Lusitania war ein luxuriöser Passagierdampfer … 1907 …“ * „Das Kap der Enttäuschung … Lewis-und-Clarke-Expedition … 1805 …“ * „… Präsident … Roosevelt … beobachten, wie Simon sein Hemd in die Hose stopft…“), sodass die Bilder besonders für Erwachsene noch einen anderen Anstrich erhalten.

 

Buchinhalt und noch mehr die Bilder spielen damit, „alt“ zu sein, und in der Tat sieht man es ihnen nicht an, dass die Erstausgabe 2008 erschien. Gespielte Nostalgie.

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en